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Archive for the ‘Fantasy’ Category

Gerd Scherms „Die Irrfahrer“, erschienen Februar 2007, ist die Fortsetzung des wunderbar augenzwinkernden Romans „Der Nomadengott“, dessen (begeisterte) Rezension vor einiger Zeit hier in der Teestube erschien.

Wer sich erinnert: Die Tajarim, erwählt von GON, dem ein wenig kurzsichtigen Gott ohne Namen, der vorzugsweise als rotgetigerte Katze erscheint, waren aus Ägypten ausgewandert und – nach zahlreichen Abenteuern – in Byblos gelandet.

Einige der ihren beschließen nun, von hier aus eine Seefahrt ins Ungewisse zu unternehmen. Kalala, die nubische Prinzessin, um ihrem geliebten Sänger El’Vis eine Tournee zu ermöglichen, einige andere eher aus geschäftlichen Gründen – man hat schließlich eine der neumodischen „AGs“ gegründet, eine Anteilsgesellschaft, und gedenkt mit allerlei Handel guten Gewinn zu erzielen.

Seshmosis, seines Zeichens Schreiber und GONs Prophet, schließt sich den Seefahrern nur widerstrebend an – eigentlich hatte er das ruhige Leben in Byblos genossen. Doch seine Neugier, die ihn ein Amulett mit seltsamen Zeichen hatte erstehen lassen, an dem dunkel gewandete Fremde nun ein unerwartetes Interesse zeigen, sowie, nicht zuletzt, GONs entschiedener Reisewunsch, stimmen ihn um.

So kommt es, dass unsere Tajarim erneut auf große Fahrt gehen – nach Griechenland. Und wer den ersten Teil der Romanreihe gelesen hat, der ahnt bereits, was zu erwarten steht: Ein herrlich witziger und zugleich äußerst lehrreicher und zum Nachdenken anregender Ausflug durch die altgriechische Mythologie und Götterwelt, in der GON als „Jokeros“ für einige Turbulenzen sorgt.

Wollten wir nicht schon immer wissen, wie das mit Theseus und dem Minotaurus wirklich war? Woher die Zyklopen den Ruf hatten, nur ein Auge zu besitzen und wie Odysseus auf die listige Idee kam, sich „Niemand“ zu nennen? Haben wir uns je gefragt, warum einigen Götterstatuen die Arme nun tatsächlich fehlen und weshalb in Homers Epos so lange Namenslisten auftauchen? Und was hat ein Nordmann namens Ikeas mit Schiffsbausätzen zu tun?

Und während die Tajarim ihre Reise beginnen, um all dies und noch viel mehr zu erfahren, sorgt ihr (verstorbener) Gefährte Aram, der Bademeister, in der ägyptischen Unterwelt für einige Unruhe, als er das neue Badehaus der Götter ausgerechnet mit Wasser aus dem Strom des Vergessens speist. Ein Versehen, welches sich für ihn, ein goldenes Kalb und vor allem für Horus und Hathor als äußerst folgenreich erweist …

Wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte sich einfach auf die Reise mit den Irrfahrern begeben. Das Buch verspricht ein herrliches Lach- und Lesevergnügen. Und es schadet nicht, ein Buch über griechische Götter- und Heldensagen griffbereit zu haben. Ein dickes, aus der Bibliothek, nicht eine der handelsüblichen, dünnen Sagensammlungen. Denn viele der sorgfältig recherchierten Anspielungen und Details, die sich in fröhlich-phantastischen Szenen verbergen, verführen zu einem neugierigen Nachblättern und Weiterlesen.

Und das ist eigentlich das schönste Kompliment, das man einem Buch machen kann.

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Joanne Bertin: Die Drachenlord-Saga

Zur Abwechslung mal etwas "Badewannenlektüre" – darunter fallen, in meinen Regalen, jene abgewetzten Schmöker, die man mitnimmt, wenn man sich nach einem langen, arbeitsreichen Tag einfach in der Badewanne entspannen möchte. In diesem Fall schöne, solide Fantasy – mit Drachen! (Ja, wer mich kennt, weiß, dass ich eine Schwäche für diese lieben Tierchen habe… 😉 ).

Es handelt sich im englischen Original um zwei Romane ("The Last Dragonlord" und die Fortsetzung "Dragon and Phoenix"). In der deutschen Übersetzung hat man den zweiten Teil – vermutlich aufgrund seiner Dicke – auf zwei Bände aufgeteilt:

  1. "Der letzte Drachenlord"
  2. "Das Lied des Phoenix"
  3. "Drachenherz"

Im Mittelpunkt der Handlung steht Linden Rathan (mit dessen Namen ich anfangs ein wenig haderte – ich wohne leider in einem Dörfchen namens "Linden"). Er ist ein Werdrache, ein "Drachenlord". Das bedeutet, dass seine Seele eigentlich aus zwei Hälften besteht, von der die eine zu einem Menschen (Linden), die andere zu einem Echtdrachen (Rathan) gehört. Diese außergewöhnliche Fügung hat zur Folge, dass Linden nicht nur Magie beherrscht, sonder sich, bei Bedarf, auch in einen prachtvollen, echten Drachen verwandeln kann. Die Drachenlords leben auf einer eigenen Burg und sind seit Urzeiten, aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten, die Hüter der Ordnung unter den gewöhnlichen Menschen. Mit den Echtdrachen, die sich im allgemeinen höflich aus den Angelegenheiten der Menschen heraushalten, halten sie ab und an Rat – immerhin wird sich ein Drachenlord irgendwann, eines fernen Tages, selbst in einen Echtdrachen verwandeln, wenn seine Drachenseele erwacht…

Im ersten Buch lernen wir Linden, die kleine, freche Drachenlady Lled, Lindens menschlichen Freund, den verschmitzten Barden Otter, und viele andere kennen. Die Geschichte dreht sich um eine Verschwörung am Cassorischen Hof, wo Linden und seine Freunde über die umstrittene Thronfolge entscheiden sollen. Das erweist sich als unerwartet brisant, denn die Fäden zieht eine "Bruderschaft", die gar nicht gut auf die Drachenlords zu sprechen ist. Und ganz nebenbei muss Linden auch noch seine Seelengefährtin, die schöne Seefahrerin Maurynna, kennenlernen…

Die beiden Folgebände (die ja eigentlich ein Buch sind) wechseln den Schauplatz. Wieder begleiten wir Linden, allerdings gibt es nun einen parallelen Handlungsstrang am Hof des Phoenixherrschers – in einem chinesisch-asiatisch anmutenden Königreich namens Jehanglan, in dem, wie sich herausstellt, seit Jahrhunderten ein Echtdrache gefangen gehalten wird. Als die anderen Echtdrachen schließlich deshalb in den Krieg ziehen, machen sich auch die Drachenlords auf, um zu helfen… und verstricken sich dabei tief in die politischen Intrigen des exotischen Reiches. Und, als wäre das noch nicht genug, gibt es da noch die Frage, ob Linden tatsächlich der letzte Drachenlord ist, der je geboren wurde…

Wie gesagt, ich mag Drachen 😉 – deshalb war ich von der aparten Idee mit den Werdrachen besonders angetan. Aber auch wer kein fanatischer Drachenfan ist, wird hier auf seine Kosten kommen. Es gibt böse Zauberer und finstere Priester, schöne Frauen, spannende Intrigen, Geheimnisse (wie das um den magischen Vogel Phönix) und wilde Kämpfe… Vielleicht keine außergewöhnliche oder hochanspruchsvolle Mischung – aber, das kann ich versprechen, verdammt unterhaltsam 🙂 . Und das asiatische Reich im zweiten Teil ist eine sehr nette Abwechslung zu den "klassischen" Fantasy-Settings.

Ich glaube, ich gehe jetzt noch etwas lesen 😉 !

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