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Archive for Oktober 2006

Das Buch zum Film findet man häufig (leider selbst dann, wenn der Film eigentlich ursprünglich auf einer Buchvorlage basiert) und neuerdings sind auch Romanserien zu Computerspielen nicht unüblich. Ein Buch zu einem Brettspiel ist jedoch eher ungewöhnlich – und gerade „Die Siedler von Catan“ bieten, auf den ersten Blick, wenig für eine dramatische Handlung. Ein wunderbares Spiel, ausgesprochen unterhaltsam für lange Abende unter Freunden – aber „Tausche Lehm gegen Erz.“, „Brauche dringend Schafe!!“ oder „Wann würfelt endlich einer die 5, verflixt, ich will endlich eine Straße bauen!?“ sind nicht eben „der Stoff, aus dem die Helden sind“.

Aber Rebecca Gablé hat es tatsächlich geschafft, auf der Grundidee einer neu zu besiedelnden Insel einen ungemein spannenden Roman aufzubauen. Alles beginnt um das Jahr 850, als das kleine, hoch im Norden gelegene Küstendorf Elasund von feindlichen Turonländern überfallen wird. Viele sterben und eine Hungerkatastrophe bedroht die Überlebenden. Die Ziehbrüder Candamir und Osmund erkennen schnell, dass nicht alle in der alten Heimat eine Zukunft haben werden und gewinnen einen Teil ihrer Nachbarn für einen Aufbruch ins Ungewisse. Ihr vages Ziel: Eine reiche, fruchtbare Insel, die der reiche Olaf durch Zufall einmal nach einem Sturm entdeckt hatte. Und so machen sie sich auf den Weg: Candamir, sein jüngerer Bruder Hacon, der Schmied Harald, der reiche, aber eigensüchtige und hartherzige Olaf mit seinen Söhnen, Osmund und sein kleiner Sohn Roric und viele andere. Nach harten Strapazen und unzähligen Gefahren kommen sie tatsächlich an, im Olafsland, in Catan. Doch das gelobte Land stellt sie erneut auf die Probe. Candamir, der seine gesamte Habe durch einen Schiffbruch verlor, muss hart arbeiten, um von Olaf wenigstens Saatgut zu erhalten, das ihn über den nächsten Winter bringen kann. Der Wald muss gerodet werden, um Felder anzulegen und Häuser zu bauen, es gilt Erzvorkommen zu finden und die Insel zu erkunden. Doch neben all diesen praktischen Herausforderungen, die für sich genommen bereits fesselnd genug sind, stehen die Siedler auch vor der Frage, wie sie die im Laufe der Zeit immer deutlicher werdende Spaltung ihrer Gemeinschaft bewältigen können. Denn Candamirs Sklave, den alle nur den „Sachsen“ nennen, ist ein ehemaliger Mönch, der unverdrossen das Christentum zu verbreiten sucht und allmählich eine wachsende Schar von Zuhörern gewinnt – was notwendigerweise zu Konflikten mit den Anhängern der alten, nordischen Götter führt. Die Ziehbrüder Candamir und Osmund finden sich dabei unversehens auf unterschiedlichen Seiten wieder und die schöne Siglind stellt ihre Freundschaft auf eine zusätzliche Probe. Zugleich entspinnt sich zwischen Candamir und Osmunds Onkel Olaf ein eiserner Machtkampf und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis ein Streit offen entbrennt, der nicht nur Candamir und seine Familie in große Gefahr bringen kann…

Rebecca Gablés fast 800 Seiten starker Roman liest sich von der ersten bis zur letzten Zeile spannend. Wer sich an einigen recht grausamen Szenen nicht stört, der kann sich auf einen guten Schmöker freuen, der alle Zutaten besitzt, die ein guter Abenteuerroman zur Zeit der Wikinger haben muss. Und wer ein wenig sucht, der findet auch tatsächlich einiges aus dem Brettspiel wieder: In der Mitte der Insel befindet sich eine wüste Vulkanlandschaft, in die sich schließlich geächtete „Räuber“ zurückziehen, Erz und Holz befinden sich nicht zwingend in handlicher Nachbarschaft, Schafe und Getreide sind keineswegs gerecht verteilt und auch wenn es statt des Ringens um Lehm eher um das Zähmen wilder Pferde geht, fühlt sich der an lange Siedler-Sitzungen gewöhnte Leser doch manchmal versucht, die Insel auf einem Tisch mit den Spielkarten nachzubauen. Dass die Handlung nach und nach von dem ursprünglichen „Siedlerspiel“ abkommt und eher hin zu der „Rittererweiterung“ des Brettspiels tendiert, ist im Interesse der Dramatik nur nahe liegend. Einzig die Sympathielenkung im Roman ist ein wenig zu beanstanden: Die christliche Seite erscheint gegen Ende immer stärker als die vernünftige, freundliche, während sich auf der Seite der „Heiden“ auffallend viele der negativ besetzten Figuren finden. Das muss nicht bewusst in dieser Weise intendiert gewesen sein und mag sich aus der Handlungsführung ergeben haben, doch erscheint die darin lesbare Zuordnung, wollte man sie denn wörtlich nehmen, etwas einseitig. Abgesehen davon aber – und immerhin handelt es sich um einen Roman und nicht um einen Bericht mit Anspruch auf absolute historische Korrektheit- ist das Buch ausgesprochen empfehlenswert. Fans von Rebecca Gablé können ebenso auf ihre Kosten kommen wie passionierte Siedlerspieler, die möglicherweise bei ihrem nächsten Spiel mit größerem Eifer als je zuvor um Holz oder Schafe feilschen werden.

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Der Tee zur Dusche

5133.pngIch gestehe, ich habe mich doch ein wenig gewundert, als ich die (zumindest in meinem Supermarktregal) neue Teekreation von Meßmer entdeckte: Grüner Tee „Melone – Aloe Vera“. Nun gut, Melone, das konnte ich mir noch ansatzweise vorstellen. Nicht, dass ich es für eine besonders nahe liegende Teezutat gehalten hätte, aber wenigstens verband ich mit dem Geschmack einer Melone noch eine gewisse, nicht unangenehme Vorstellung. Aber Aloe Vera??? Das war doch in dem Duschgel enthalten, das ich einen Augenblick vorher in den Korb gelegt hatte! Ich wusste ziemlich genau wie Aloe Vera roch – aber konnte man es auch trinken? Irgendwie bezweifelte ich das, auch wenn ich mich dunkel zu entsinnen glaubte, dass Aloe-Saft zu medizinischen Zwecken nicht nur äußerlich verwendet wurde. Nach einigem Nachdenken aber siegte meine Neugierde – immerhin, man fand ja auch Milch-und-Honig Duschgels und (seit neuestem) sogar solche mit Schokoladen-Minz-Aroma (kein Scherz – die anbietende Firma war, meine ich, Litamin). Weshalb sollte also, in der umgekehrten Richtung, nicht Aloe-Vera-Tee auch etwas Gutes sein? Und obwohl ich die Schoko-Dusche nicht erproben wollte (ich hatte doch etwas Hemmungen, wie ein After-Eight zu duften), dem Tee konnte ich (wie üblich) nicht widerstehen.

Und wie ist Melonen – Aloe Vera Tee nun? Hmmm… nun, er riecht tatsächlich wie manche Duschgels. Vor allem in trockenem Zustand, ehe man ihn aufgießt. Nicht unangenehm, aber jene, die Aloe Vera gerne in Kosmetika benutzen, mutet es vielleicht im ersten Augenblick doch ein wenig seltsam an. Geschmacklich erinnert er dann allerdings vor allem an Honigmelone, die Aloe-Vera verursacht nur eine ganz leichte, cremige Fußnote. Ein harmloser, bekömmlicher und sanfter Grüntee, den man ruhig ein wenig höher dosieren kann. Nicht besonders aufregend, aber (wenn man sich an den Geruch gewöhnt hat) vor allem für Melonen-Liebhaber sicher eine durchaus brauchbare Alternative zu den üblichen Zitronentees.

 

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Gegen Kopfschmerzen gibt es Aspirin, gegen Husten Hustensaft – aber was nimmt man, so fragt sich Erich Kästner im Vorwort dieses kleinen Gedichtbändchens, gegen Lebensüberdruß und graue Herbstabende ein? Welche Medizin hilft bei „Gefühlsanämie“ oder einem schweren Fall von „Einsamkeit“? Kästners Antwort auf diese Fragen ist eine lyrische Hausapotheke, in der er eine Art dichterischer Aspirin für jede noch so trübe Stimmung bereithält. So empfiehlt er im Inhaltsverzeichnis „Wenn man wenig Geld hat“ die Seiten 18, 19 oder auch 208 zu lesen, während für den, der gerade zu Faulheit neigt, die Seiten 118, 142 oder 184 das rechte Mittelchen zur Kur bieten. Zum Lesen dieser gar nicht bitteren Pillen benötigt man freilich ein wenig mehr Zeit als beispielsweise für Kästners Aphorismen, doch es lohnt sich. Denn schon wer sich überhaupt die Ruhe für ein oder zwei Gedichte nimmt, der baut ja ein wenig innere Spannung ab und erhält Gelegenheit zum Durchatmen. Und wenn die Gedichte dann noch von Erich Kästner stammen, ist es durchaus möglich, dass man das Büchlein mit einem kleinen, erleichterten Seufzer wieder beiseite legt und sich denkt: „Ja, so kann man das natürlich auch sehen!“

Zum Beispiel endet Kästners „Warnung vor dem Selbstmord“ (auf S.38 zu finden) mit den schönen Versen:

Ja, die Bösen und Beschränkten

Sind die Meisten und die Stärkern.

Aber spiel nicht den Gekränkten.

Bleib am Leben, sie zu ärgern!

Es kann jedoch genauso geschehen, dass man doch über sich selbst und die Welt ins Nachdenken gerät (und über zutiefst philosophischen Betrachtungen völlig vergisst, weshalb man sich eigentlich gerade geärgert hat). So heißt es in einem anderen Gedicht („Herbst auf der ganzen Linie“, S. 190 ), das in Fällen schwerer Einsamkeit empfohlen wird:

Die Stunden machen ihre Runde

Wir folgen ihnen Schritt für Schritt.

Und gehen langsam vor die Hunde.

Man führt uns hin. Wir laufen mit.

Nein, es ist nicht immer angenehm, was da geschrieben steht, denn möchte man in wohlgesetzten, pointierten Worten das hören, was man in tiefster Seele eigentlich schon wusste und sich bloß nicht eingestehen wollte? Aber andererseits ist es manchmal auch beruhigend zu wissen, dass es anderen schon genauso ging und oftmals ist es hilfreich, in ein klares Bild gegossen vor sich zu sehen, was man bisher nur „so irgendwie“ fühlte.

Natürlich, nicht alle Gedichte auf diesen über 200 Seiten sind gleich gut. Nicht jeder wird alle mögen, manche wird man erst verstehen, wenn man sie nach Jahren, in einer anderen Lebenslage, noch einmal liest. Und während die einen eingängig sind, erfordern andere zum Verständnis doch ein wenig neugieriges Grübeln. Aber das ist es ja eben, was eine Hausapotheke ausmacht: Es ist für jeden (Not)Fall etwas dabei.

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Irish Cream für Anti-Alkoholiker

irishcream_st_20.gifEine Kleinigkeit für Winterabende am prasselnden Kamin (oder auch auf der Couch mit einem guten Buch, wenn man leider keinen Kamin besitzt und lieber kein Lagerfeuerchen auf dem Wohnzimmerteppich machen möchte) ist die (nicht mehr ganz neue) Teesorte „Irish Cream“, von Teekanne. Das schöne daran ist: Von dieser Irish Cream können auch alle überzeugten Anti-Alkoholiker beruhigt kosten. Ich selbst gehöre ja zu den Zeitgenossen, die Alkohol nur dann genießbar finden, wenn er vorher mit sehr, sehr viel Kakao oder Eiscreme verdünnt worden ist. Aber dieser Tee schmeckt trotz seines Namens eigentlich nicht sehr nach Alkohol – zumindest soweit ich es mit meiner notwendigerweise beschränkten Erfahrung beurteilen kann. Er ist würziger und voller im Geschmack als normaler Schwarztee und schmeckt gesüßt hervorragend, ohne dabei so sanft und lieblich zu sein wie etwa Vanilletee. Ein wenig bedauerlich ist nur die bei derartigen Tees leider allgemein übliche Packungs“größe“: Man bekommt immer nur 20 Beutel. Und die sind hier leider verdammt schnell verbraucht! 😉

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Ja, die Teestube ist grün geworden. Nicht nur, weil ich hoffe, dass die Farbe der Hoffnung angesichts trüben Winterwetters aufheiternd wirken könnte. Es handelt sich, recht banal, vor allem um den verzweifelten Versuch eines technischen Laien, die hübschen Zitate (siehe unten links auf der Seite) richtig anzeigen zu lassen  – „in grün“ sind sie aus unerfindlichen Gründen besser lesbar 😉 !

P.S.: die besagten Zitate, die thematisch so gut zur Teestube passen, habe ich „all4qotes“ zu verdanken, einer sehr reichhaltigen und nützlichen Zitatensammlung, die sogar ein RSS-Newsfeed mit Zufallszitaten aus auswählbaren Themengebieten und ähnliche, nette Bereicherungen für Homepages anbietet. Einfach mal reinstöbern, es lohnt sich!

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Betreiben wir ein kleines Gedankenspiel: was kommt wohl dabei heraus, wenn ein Autor, der unter anderem regelmäßig für die bekannte Kabarett-Sendung „Scheibenwischer“ schreibt, einen historischen Roman verfasst?

Die Antwort lautet: Agrippa.

Agrippa, Erzähler in „Das Buch Haithabu“, ist ein lebenslustiger, verschmitzter und nicht unbedingt gewohnheitsmäßig keuscher Mönch, der im Jahre 919 als sehr alter Mann beginnt, einen Teil seiner Lebensgeschichte niederzuschreiben. Damit setzt der Roman ein und zugleich die kurze, immer wieder zwischengeschobene Rahmenhandlung, in welcher der Leser unter anderem staunend erfährt, wie der greise Agrippa eine verurteilte Ehebrecherin vor dem Tode rettet, dafür selbst am Pranger endet und in der Folge auf wundersame Weise zu einem (Beinahe-)Heiligen aufsteigt, der sich allerdings lieber von der dankbaren (hübschen) Ehebrecherin in einer einsamen Waldklause pflegen lässt, als seinem Kloster vermittels der neugewonnenen Heiligkeit zu Pilgern zu verhelfen.

Das, was der alte Agrippa in dieser Waldklause zu Pergament bringt, nimmt als Haupthandlung den größten Teil des Romans ein. Mit zahlreichen, scheinbar beiläufigen, humorvollen und dabei doch oft tief nachdenklichen Abschweifungen (die tatsächlich hin und wieder an den Stil mancher Scheibenwischer-Kabarettisten erinnern) erzählt er die „Geschichte Herwards“.
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