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Archive for September 2006

Johann Friedrich von Cronegk: Olint und Sophronia

Johann Friedrich von Cronegk (1731-1757/58 ) ist ein Dichter, dessen Name heute leider heute nur noch wenig bekannt ist – möglicherweise auch aufgrund des sehr frühen Todes, der seinem Schaffen ein jähes Ende setzte. Dabei gewann sein Trauerspiel „Codrus“ 1756 sogar den von Friedrich Nicolai in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste ausgeschriebenen Wettbewerb um das beste unveröffentlichte Trauerspiel. Dies machte ihn zu einem der bekanntesten Dichter seiner Zeit (auch wenn er diesen Triumph nicht mehr erleben durfte). Seine posthum (1760/61) von seinem Dichterfreund Johann Peter Uz herausgegebenen Schriften wurden innerhalb von 17 Jahren immerhin siebenmal aufgelegt. Und Cronegks berühmter Zeitgenosse Lessing, der seine „Hamburgische Dramaturgie“ mit einer (lesenswerten!!!) äußerst scharfen und bissigen Kritik an Cronegks „Olint und Sophronia“ eröffnete, fühlte sich später, im siebten Stück jener Dramaturgie, bemüßigt diese Kritik zu rechtfertigen: „Ich habe nicht die Absicht gehabt, ihnen die Lesung eines Dichters zu verleiden, den ungekünstleter Witz, viel feine Empfindung und die lauterste Moral empfehlen.“ Ein Hinweis darauf, dass sich Lessing mit seiner Kritik offenbar gegen einen weithin anerkannten Dichter gewandt und damit einen gewissen Unmut erregt hatte.

Einen Blick auf Cronegks Werke zu werfen könnte also vielleicht doch lohnend sein – auch wenn man „Olint und Sophronia“ (ein Drama, das er bedauerlicherweise nicht mehr ganz vollenden konnte), heutzutage kaum im Deutschunterricht lesen wird.

Die Vorlage für Cronegks Trauerspiel bildet der zweite Gesang aus „Gerusalemme Liberata“ („Befreites Jerusalem“) des italienischen Renaissancedichters Torquato Tasso. Sich frei nach Tasso richtend, erzählt Cronegk folgendes Geschehen:

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Amazon.de

Ja, ich gestehe es ein : ich mache nun doch beim Amazon-Partnerprogramm mit.peinlichuups.png Gewöhnlich neige ich, das sollte erwähnt sein, wirklich nicht dazu, für Geschäfte irgendeiner Art zu werben – und gewiss ist die literarische Teestube nicht der Ort, wo dies zukünftig zur Gewohnheit werden wird. Aber zum Einen habe ich wirklich selten mit einem Online-Versandhandel so ausschließlich gute Erfahrungen gemacht wie mit Amazon, sowohl hinsichtlich der Auswahl an Büchern wie auch in puncto Zuverlässigkeit. Da ist ein klein wenig Werbung wohl gerechtfertigt.

Naja … und zum Anderen, zugegeben, zählt jeder Cent, wenn man neues Lesefutter braucht!skeptisch.png Das wird jede leidenschaftliche Leseratte aus eigener Erfahrung wissen. 😉
Außerdem ist es für passionierte Viel-Leser vielleicht doch eine nützliche Information (falls sie es nicht ohnedies schon wissen), dass bei Amazon.de reine Buchbestellungen grundsätzlich versandkostenfrei verschickt werden (nach Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Luxemburg und in die Schweiz). Das ist – gerade wenn man nicht einmal jährlich eine Großbestellung, sondern lieber des Öfteren Einzelbücher ordern möchte – eine nicht zu vernachlässigende Möglichkeit, um Geld zu sparen. Hier geht es direkt zum Bücherstöbern:

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Brawe-Ressourcen

Für alle, die sich für den Dichter Joachim Wilhelm von Brawe interessieren (zu dessen Drama „Der Freygeist“ hier in der Teestube vor einiger Zeit eine Zusammenfassung erschien) gibt es eine wunderbare Internetseite. Die von Frank Fischer und Jörg Riemer von der Universität Leipzig bereitgestellten „Brawe-Ressourcen“ bieten online Zugang zu Dokumenten und Texten, die „einen zusammenhängenden Blick auf Leben und Werk des mit 20 Jahren sehr jung verstorbenen Aufklärungsschriftstellers (1738-1758)“ eröffnen. (so im „Vorwort“ zu den Ressourcen). Über die übersichtliche Bibliografie gelangt man leicht zu den entsprechenden Textangeboten. Werke und Briefe Brawes finden sich ebenso wie zeitgenössische Rezensionen, Vorworte zu Brawe-Ausgaben oder neuere Forschunsliteratur. Selbst ein Bildarchiv ist vorhanden. Eine rundum gelungene, klar gegliederte Seite mit vielen interessanten Informationen – nicht nur für Studierende. Ein ausdrücklicher Dank gebührt den Verantwortlichen dafür, dass sie ursprünglich „nur“ für eine Neuausgabe des „Freygeists“ gesammeltes Material auf diese Weise uneigennützig der Allgemeinheit zugänglich machen.

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Erich Kästner: Kurz und bündig

Dieses Buch, oder vielmehr Büchlein (ein solches war es zumindest in der Ausgabe des Atriumverlags von 1950, die ich besitze) ist ein kleines Juwel. Für Erich-Kästner-Begeisterte ebenso wie für solche, die einfach nur Freude an wunderbar pointierten, geistreichen und vor Witz sprühenden Epigrammen haben. Eine Sammlung, die zum Schmunzeln und Nachdenken zugleich anregt, rasch zwischendurch gelesen ist und doch lange im Gedächtnis bleibt.
Wie aber beschreibt man ein Buch, das einen so prägnanten Titel trägt? Passenderweise nicht mit vielen Worten, sondern eben „kurz und bündig“. Daher möchte ich hier, um eine Vorstellung vom Stil des Autors zu vermitteln, einfach zwei  Kästner-Epigramme zitieren, die zu meinen (unzähligen) persönlichen Favoriten gehören.

Eines befaßt sich mit den unbekannten Größen der Geschichte:

Über den Nachruhm
oder
Der gordische Knoten

Den unlösbaren Knoten zu zersäbeln
Gehörte zum Pensum Alexanders.
Und wie hieß jener, der den Knoten knüpfte?
Den kennt kein Mensch.
(Doch sicher war es jemand anders.)

Und hier geht es um Bäume (- wirklich Bäume?):

Mitleid und Perspektive
oder
Die Ansichten eines Baumes

Hier, wo ich stehe, sind wir Bäume
die Straße und die Zwischenräume
so unvergleichlich groß und breit.
Mein Gott, mir tun die kleinen Bäume
am Ende der Allee entsetzlich leid!

Na, schon Lust aufs Stöbern bekommen 😉 ?

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Erwin Leibfried: Goethe!

Goethe! Wer hat nicht zumindest einige seiner Werke gelesen? Mehr oder minder begeistert im Rahmen des Deutschunterrichts, oder später, was mitunter vorkommen soll, sogar freiwillig und zum Vergnügen. Wer nach oder gar während solcher Lektüre beginnt, sich ein wenig mehr für den großen Dichter zu interessieren, wer nun versucht Näheres zu Goethes Lebensweg und Werk zu erfahren, der stellt rasch zweierlei fest. Erstens: Es gibt eine schier unübersehbare Flut von Literatur zu allen Aspekten und Teilaspekten seines Schaffens und Werdens, unter allen nur denkbaren Blickwinkeln. Und zweitens: beinahe all diesen Biografien, Interpretationen und Kommentarsammlungen ist eines eigen: Sie sprechen über Goethe. Über den großen Klassiker, über den verblichenen Meister. So informativ das ist – Goethe erscheint oft fern, man möchte beinahe sagen: Verstaubt, monolithisch.
Einen ganz anderen, erfrischenden Ansatz bietet hier Erwin Leibfrieds fünfbändige Goethemonografie, die 1999 im Litblockín-Verlag erschien. „Goethe! Ein Komet am Himmel der Jahrhunderte“
So unkonventionell der Titel, so einzigartig ist auch die Art, wie uns Goethe hier begegnet. Im „Vorspiel“ zu Band I schreibt Leibfried: „Machen wir den Meister lebendig!“

Und genau dies geschieht. Wie ein Flechtwerk setzen sich die Bände zusammen aus langen Passagen, in denen aus Werken, Gedichten und Briefen Goethes und seiner Zeitgenossen zitiert wird – sogar aus solchen, die bislang nur wenig bekannt waren. Dazwischen stehen Auszüge aus der wissenschaftlichen Literatur und, scheinbar ganz beiläufig eingeschoben, Leibfrieds eigene Kommentare, die präzise, detailliert und geistreich die chronologisch Goethes Leben folgenden Einzeltexte verbinden und erläutern. Die Länge der einzelnen Teilstücke wechselt – mal sind die zitierten Stellen sehr lang, dann wieder überwiegen, wo es notwendig ist, die Erklärungen.
Dadurch, dass der Leser immer wieder Goethe selbst sozusagen „sprechen“ hört, durch die Selbstzeugnisse und Zeitzeugen, erscheint der alte Meister auf einmal ganz und gar nicht mehr angestaubt, sondern höchst lebendig. Nicht nur als Dichter, sondern auch als Verliebter, als Politiker, als Naturforscher – als der vielseitig interessierte Mensch, der er war. Und durch die eingestreuten, pointierten Kommentare wird das alles zugleich verständlich, werden Zusammenhänge offenbar, Hintergründe offensichtlich. Das so entstehende Bild Goethes ist ungemein klar, brillant und bewegt.

Es ist allerdings kaum möglich zu beschreiben, wie sich eine solch außergewöhnliches Buch wie Leibfrieds „Komet“ nun liest. Um einen ungefähren Eindruck zu vermitteln, hier ein kurzer Auszug. Er stammt aus dem Kapitel „Die Leiden des jungen Werther“ im ersten Band (S.145 ff., hier S.146). Ausgewählt habe ich ihn weniger aufgrund seines Inhalts, sondern mehr, weil hier auf relativ kleinem Raum das typische Wechselspiel von Zitat und Kommentar erkennbar ist. Es geht um den plötzlichen Abschied, den Goethe als junger Mann bekanntermaßen von Wetzlar und der geliebten Pfarrerstochter Charlotte Buff nahm:

Abschied nimmt er im September [An Charlotte Buff. Wetzlar, 10.September, 1772]: Wohl hoff ich wiederzukommen, aber Gott weis wann. Lotte wie war mirs bey deinen reden ums Herz, da ich wusste es ist das letztemal dass ich Sie sehe. [Achtung! Ein gefährlicher rhetorischer Trick angeblich aufgeregter Verliebter: Du und Sie in einem Satz – ein Muster, das man noch öfter trifft. Der Frankfurter beherrscht es.]“

In solcher Weise lösen also Kommentar (Kursivdruck) und zitierter Text (Normaldruck) einander ab. Gemeinsam ergeben sie ein kunstvoll gewebtes Ganzes, in das der Leser ohne jede Anstrengung eintauchen kann. Um am Ende verwundert festzustellen, wie viel Vergnügen solch eine Fundgrube dichtgepackten Wissens bereiten kann. Und mit etwas Glück nimmt man ein neues Bild Goethes mit – nicht das Bild einer angestaubten, weißen Dichterbüste, sondern das eines überaus lebendigen, faszinierenden Mannes.

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