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Archive for August 2006

Zur Abwechslung ein historischer Schmöker, der nichts mit Ägypten zu tun hat. Wir befinden uns in Großbritannien – oder, genauer gesagt: (zu Beginn des Romans) noch auf dem Wege dorthin. Im zweiten Jahrhundert nach Christus führen der Zenturio Facilis und seine römischen Truppen drei „sarmatische Drachen“ – also drei Kontingente schwerer sarmatischer Panzerreiter – als neue Auxiliartruppen in die britische Provinz. Die nomadischen Sarmaten hatten Überfälle auf die römischen Provinzen an ihrer Grenze unternommen – und den Krieg verloren. Um ihrem Volk die Freiheit zu erkaufen mussten die drei „Drachen“ den verhaßten Römern den Treueeid leisten und ihre Heimat für immer hinter sich lassen. Keine gute Voraussetzung für die bevorstehende Zusammenarbeit, zumal die Römer die neuen Hilfstruppen lediglich als „Barbaren“ betrachten. Ariantes, der besonnenste der sarmatischen Kommandeure, sieht sich auf der schwierigen Reise nach Britannien unversehens in die undankbare Rolle des Vermittlers gedrängt. Um seinen Mitkommandeuren – Arshak und Gatalas – und den sarmatischen Kriegern folgenschwere Auseinandersetzungen mit den überlegenen Römern zu ersparen, sieht er sich gezwungen immer wieder mit den ehemaligen Gegnern zu verhandeln. Dabei muss er nicht nur eine schwierige Gradwanderung bewältigen, zwischen der Treue zu seinem eigenen Volk und dem Eid, den er dem römischen Kaiser schwor. Er sieht sich auch unversehens in einen uralten Kampf hineingezogen, der zwischen den scheinbar romanisierten Ureinwohnern Britanniens und den römischen Besatzern schwelt. Denn was plant die Dame Aurelia Bodica, die britische Frau des römischen Statthalters, wirklich? Möchte sie den Sarmaten tatsächlich helfen? Oder haben sie und die im Untergrund wirkenden Druiden ganz eigene Interessen, die zu einem blutigen Aufstand führen könnten? Einem Aufstand, in dem die Sarmaten lediglich ein Werkzeug wären. Kann Ariantes sich auf die Seite der Römer schlagen, ohne seine eigenen Leute zu verraten? Kann er die Verschwörung aufdecken und so großes Unheil abwenden – nicht nur von den Römern, sondern auch von den Sarmaten, die in jedem Fall unweigerlich den Blutzoll zahlen würden? Für ihn beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Bodicas Angebote sind für viele Sarmaten allzu verführerisch…

Gillian Bradshaw hat mit „Die Reiter Der Sarmaten“ (Originaltitel: „Island of Ghosts“) einen wunderbaren, gut recherchierten historischen Roman geschrieben, der von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleibt. Ariantes, der hier seine Geschichte selbst erzählt, der mürrische, verbitterte Zenturio Facilis, mit dem ihn bald eine Hass-Freundschaft verbindet, die verführerische, grausame Bodica, der Schreibersklave Eukairios, der Ariantes zugeteilt wird und sich bald als unentbehrlicher Helfer entpuppt – sie alle wirken individuell und fesselnd und haben ihre eigene Geschichte, die sich mit der des Haupterzählstranges verflicht. Es gibt Schlachten, edle, schwer-gerüstete Krieger hoch zu Roß, gewaltige Duelle, heldenhafte Schwertkämpfe und – für die, denen so etwas wichtig ist 😉 – natürlich nicht nur gutaussehende (bärtige!!) Männer sondern auch schöne, energische Frauen. Ein wunderbares Buch zum darin versinken und immer und immer wieder lesen.

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Tee in der Zeitschleife

4649.pngEndlich wieder ein Tee mit einem Namen, der zum Träumen anregt :). Meßmer’s „Momente der Ruhe“ wirbt mit dem wunderbaren Spruch: „spüren, wie die Ruhe in die Seele einzieht ein Moment jenseits der Zeit.“ Wer gerne philosophiert, wird sich jetzt unweigerlich fragen: was passiert wohl, wenn für mich beim Teetrinken ein „Moment jenseits der Zeit“ beginnt? Läuft dann die Zeit außerhalb weiter und ich lande nach der Teestunde, wie der Prinz im irischen Märchen, plötzlich in einer Zeit, wo mein Königreich schon längst untergegangen und mein Schloß verfallen ist? (Gut, so betrachtet eine geringe Gefahr: nur die wenigsten sind Prinzen mit Schlössern, geschweige denn Königreichen…). Oder verlangsamt sich die Zeit insgesamt und ich habe mehr Zeit für den Tee? (Funktioniert leider nicht – jedenfalls nicht bei mir 😉 … aber der geneigte Leser ist zu Selbstversuchen herzlich eingeladen).

Wie auch immer: jenseits aller Poesie und Zeitverschiebungen kann man zumindest festhalten: der Tee schmeckt gut. Die Geschmacksnote ist, laut Packungsangabe, „Roiboos-Mandel-Ginseng“. Daneben sind unter anderem enthalten: Zimt, Fenchel und Anis und vieles, vieles mehr. Der Tee ist, trotz intensiven Duftes, etwas milder und unaufdringlicher als die „Momente der Versuchung“ (ebenfalls Meßmer, siehe entsprechende Teekritik), aber wie dieser ein „süßer“ Tee, der Naschkatzen zusagen dürfte. Allerdings sei hier vor dem leichten Nachgeschmack gewarnt, der vermutlich vom Ginseng herrührt. Er ist nicht unangenehm, aber – da doch etwas exotisch – vielleicht nicht jedermanns Fall. Also: den Tee nicht gerade an teuren Gästen ausprobieren ;).

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Pressemitteilung:
Der Schriftsteller Gerd Scherm wird mit dem diesjährigen Friedrich-Baur-Preis für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ausgezeichnet.
Die feierliche Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preises findet am 22. Oktober 2006 auf Schloss Lichtenfels in Oberfranken statt.
Gerd Scherm wurde 1950 in Fürth geboren und lebt seit mehr als einem Jahrzehnt in einem alten Fachwerkgehöft in Colmberg-Binzwangen auf der Frankenhöhe. Der vielseitige Autor veröffentlicht Lyrik, Erzählungen, Satiren und Romane. Sein Roman „Der Nomadengott“ erschien vor zwei Monaten im Heyne Verlag.

Jetzt haben wir es also amtlich 😉 : die Bücher von Gerd Scherm sind lesenswert! Ganz besonders natürlich „Der Nomadengott“. Und für jene, die sich nicht erinnern: die Teestuben-Rezension zum „Nomadengott“ wurde hier am 15. Juni 2006 unter dem Titel „Ägypten – einmal anders“ veröffentlicht.

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Karibische Rhythmen in der Tasse

5003.pngDie Dichtkunst im Teeregal nimmt kein Ende. „Limbo“ heißt das neue (naja – relativ neue 😉 ) Kunstwerk von Milford. Es wird beworben mit dem Slogan: „Karibische Rhythmen im Ohr und den Duft exotischer Früchte erleben.“ Karibische Rhythmen?? Wie bitte? Aber ich wollte doch nur Früchtetee trinken. Und eigentlich auch lieber aus der Tasse…

Nein, keine Angst, Limbo macht keinen Lärm, es tauchen (was vielleicht Mancher bedauern wird) auch keine halbnackten, exotischen Schönheiten im Baströckchen auf, wenn man ihn trinkt. Und er duftet eigentlich auch nicht so schrecklich exotisch, dass davon gleich Palmen im Wohnzimmer wachsen. Aber, das muss man ihm lassen: er schmeckt gut. Nach Orange, Kokos und einem Hauch Ananas. Wie ein Exotik-Früchtebecher mit vielen, leckeren Kokosraspeln … hmmmm. leckerlecker.png Also, nicht von der auf „cool“ getrimmten Verpackung und der seltsamen Werbung abschrecken lassen: ausprobieren! (Und wer mag, kann ja ein kleines Schirmchen hineinstecken.)grins.png

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Cay Rademachers erster Ägyptenroman, Mord im Tal der Könige, ist ein klassischer, ordentlich geschriebener Krimi. Rechmire, ein ehrgeiziger junger Schreiber des Tschati von Theben, bekommt den Auftrag, einen Mord im Tal der Könige aufzuklären. Kenherchepeschef, der erste Schreiber am Ort der Warheit, in dem die Grabarbeiter der Pharaonengräber leben, ist im beinahe fertiggestellten Grab des Pharao Merenptha erstochen worden. Zunächst deutet alles auf einen Täter aus dem Dorf hin. Und Rechmire findet dort, so unerfahren er ist, auch bald Verdächtige genug. Der leidenschaftliche Maler Parahotep hat offenbar ebenso viel zu verbergen wie Hunero, die hübsche junge Witwe des Toten. Der zweite Schreiber des Dorfes, der nun die Nachfolge seines so plötzlich verstorbenen Vorgesetzten antreten soll, ist auffällig darauf bedacht, den fremden Ermittler wieder loszuwerden. Und selbst der erblindende Amunpriester Kaaper, der Rechmire eigentlich bei seinen Nachforschungen unterstützt, scheint Geheimnisse vor ihm zu haben. Gerade als Rechmire dann glaubt, den Kreis der Verdächtigen endlich einengen zu können, geschieht ein weiterer Mord, und Rechmire wird mit schrecklicher Gewissheit klar, dass der Mörder etwas mit den mächtigsten Männern Thebens zu tun haben muß. Wird er es schaffen, ihn dennoch zu stellen? Es bleibt nur wenig Zeit, um einen weiteren, noch grauenhafteren Mord zu verhindern…

Die Auflösung des Rätsels ist, dies sei zur Handlung angemerkt, ab einem gewissen Punkt für den geübten Leser vorhersehbar. Dennoch bleibt die Spannung, ob und wie es Rechmire nun gelingt, den Täter zu überführen, bis zum Schluß erhalten. Rechmire selbst ist ein durchaus nicht unsympathischer, aber auch nicht ganz konventioneller Held, mit seinem Ehrgeiz, seinem Stolz und seiner anfänglich offen zur Schau getragenen Verachtung für Sklaven, einfache Handwerker – überhaupt jeden, der gezwungen ist, mit den Händen zu arbeiten. Gerade das macht die Entwicklung, die er im Laufe des Romans durchläuft, so interessant – und ihn als Charakter so glaubwürdig menschlich. Die anderen wichtigen Figuren erscheinen ebenfalls sehr sorgsam gezeichnet, die nicht unmittelbar an der Handlung beteiligten Personen allerdings bleiben ein wenig skizzenhaft. Das Bild, das Cay Rademacher insgesamt von der altägyptischen Gesellschaft zeichnet, wirkt etwas düsterer und härter als bei einigen anderen Autoren – was durchaus damit zusammenhängen kann, das der ermittelnde Held dieses Mal kein Adliger, Vertrauter des Pharao oder zumindest Angehöriger der Mittelschicht ist, sondern lediglich ein armer, kleiner Schreiber ohne jegliche Machtbefugnis. Ein paar kleine, stilistische Schnitzer finden sich auf den knapp 400 Seiten – zum Beispiel die Beschreibung eines hethitischen Schildes, der „wie eine Acht“ aussieht – ein Vergleich, der ein wenig unpassend wirkt, angesichts der Tatsache, dass der Held, der ihn betrachtet, in Hieroglyphen schreibt. Aber insgesamt ist der Roman gut und spannend geschrieben und dabei gerade so detailreich, dass sich die Ereignisse wirklich im alten Ägypten abzuspielen scheinen und nicht nur vor dessen Kulisse.

Fazit: „Mord im Tal der Könige“ ist sicher kein absoluter Spitzenreiter unter den Altägypten-Kriminalromanen, aber doch solide gemacht und fesselnd genug, um auch ein zweites oder drittes Mal gelesen zu werden. Schade, das Cay Rademachers nächster Krimi im alten Rom angesiedelt war ;).

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Brad Geagley: Das Jahr der Hyänen

Ägypten in den letzten Regierungstagen Ramses III. Sermerchet, vormaliger Sekretär für „Strafverfolgung und Geheimes“, war dem Alkohol verfallen, nachdem seine Frau Naia ihn verlassen hatte. Als ihn aber, dank der Vermittlung seines Bruders Nenri, die Verwalter Thebens mit der Aufklärung des scheinbar belanglosen Mordes an einer alten Priesterin betrauen, wird er überraschend schnell wieder zu einem nüchternen, hartnäckigen Ermittler – sehr zum Bedauern seiner Auftraggeber, die es, wie er bald feststellen muss, weitaus lieber gesehen hätten, wäre der „Trunkenbold“ gescheitert.

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