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Archive for Juli 2006

Agatha Christie: Rächende Geister

Ja, das gibt es tatsächlich: die berühmte Schöpferin von Hercule Poirot und Miss Marple hat einen Kriminalroman geschrieben, der im alten Ägypten spielt.
Inspiriert wurde sie dazu durch jene Ägyptenreise, der wir auch „Tod auf dem Nil“ verdanken, sowie durch ihre Bekanntschaft mit Ägyptologen. Liebevoll geschrieben und – nach dem damaligen Stand der Wissenschaft – hervorragend recherchiert ist dieser Roman, der sogar teilweise auf originalen Papyri basieren soll.

Die junge Renisenb ist nach dem Tod ihres Mannes auf das Gut ihres Vaters, des Ka-Priesters Imhotep, zurückgekehrt. Sie hofft, im vertrauten Schoß der Familie wieder Ruhe zu finden. Doch schon bald beginnen sich die Ereignisse zu überstürzen: Ihr schon lang verwitweter Vater bringt unerwartet eine Konkubine von der Reise mit, die schöne und stolze Nofret. Diese beginnt, die Bewohner des Hauses auf subtile Weise gegeneinander aufzuhetzen. Als Nofret schließlich von einer Klippe stürzt, steht Renisenb vor der entsetzlichen Frage, wer aus ihrer Familie der Mörder sein könnte. Einer ihrer Brüder – der eingebildete, temperamentvolle Sobek? Der ruhige, gewissenhafte Yahmose? Oder der verwöhnte Ipy? Hat Yahmoses zänkische Frau Satipy etwas damit zu tun? Welches Geheimnis umgibt die stets jammernde, alte Dienerin Henet, die so auffällig hoch in Imhoteps Gunst steht? Und wer ist dieser beunruhigend gutaussehende Kameni, der, angeblich in Verwaltungsangelegenheiten, von einem anderen Besitz Imhoteps kam und Nofret viel zu gut gekannt zu haben scheint. Renisenbs einzig wahre Stütze scheint der Schreiber ihres Vaters, Hori zu sein, der auch bald einen Verdacht hegt. Aber dann geschehen weitere Morde. Und während der Verdacht laut wird, Nofrets rächender Geist könnte aus dem Jenseits zurückgekehrt sein, versuchen Renisenb, Hori und die alte Großmutter Esa verzweifelt, dem Mörder auf die Spur zu kommen … denn niemand weiß, wer das nächste Opfer sein wird.

Es ist eine interessante Mischung: einerseits typisch Agatha Christie, mit vielen Verdächtigen, unzähligen Möglichkeiten mitzurätseln und einem dennoch völlig überraschenden Ende. Auf der anderen Seite bekommt dieser vertraute, englische Stil einen völlig neuen Flair, in seinem „altägyptischen Gewand“. Die Hauptperson Renisenb ist keine aktive Ermittlerin, wie Miss Marple, sondern vielmehr eine Beobachterin. Der Leser erlebt, ihr sozusagen über die Schulter blickend, die Ereignisse in Imhoteps Haus mit. Die Handlung spielt sich, ohne deshalb an Spannung einzubüßen, im privatesten Kreis der Familie ab und bleibt eng auf das Anwesen Imhoteps begrenzt. Die zarte Liebesgeschichte, die Agatha Christie eingebaut hat, gibt der sonst sehr passiven und daher eher uninteressanten „Hauptperson“ Renisenb noch ein wenig zusätzlichen Reiz, denn die Entscheidung, die Renisenb zwischen dem gutaussehenden Kameni und dem sanften, vernünftigen Hori treffen muss, verflicht sich mit den Morden: jeder von beiden könnte auch der Täter sein…

Fazit: ein typischer Agatha Christie im alten Ägypten – das ist sowohl für Krimi- wie für Altägyptenfans sicher ein Leckerbissen. Der Roman ist recht kurz, im englischen Original („Death comes as the End“, auf das sich übrigens hier auch die Personennamen beziehen) nur 191 Seiten. Dennoch, oder gerade deswegen, eine nette Kleinigkeit für zwischendurch, wenn man von der großen Politik der Pharaonen eine kleine Erholungspause braucht.

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Literatur online

Jürgen Kühnle schreibt: „Ich besitze einige Bücher, die ich gerne öfters lesen möchte, aber auf Grund ihres Alters zu empfindlich sind. Da der Urheberschutz 70 Jahre nach dem Tod des Verfassers endet, kann ich diese Werke in elektronischer Form umsetzen und der Allgemeinheit zugänglich machen. Es handelt sich dabei nicht um einzelne Ausschnitte aus den Werken der Schriftsteller, sondern ich versuche jeweils das Gesamtwerk der wichtigsten Schriftsteller der deutschen Literatur vorzustellen.“ Damit ist schon das Wesentlichste über Literatur@www.Wissen-im-Netz.info gesagt. Derzeit verfügbar sind Werke von Anette Droste-Hülsoff, Wolfram von Eschenbach. Ludwig Ganghofer, Goethe, Schiller, Max Habicht, Karl Simrock und David Friedrich Weinland. Die Seite ist übersichtlich aufgebaut und alle Texte liegen in einem gut lesbaren Format vor, das sich auch ohne Probleme kopieren lässt. Im Falle der genannten Dichter bietet sich hier also eine echte Alternative zu dem bekannteren Projekt Gutenberg, das natürlich weitaus mehr Autoren abdeckt, aber meist nur eine Auswahl aus deren Werken bereitstellt. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Kühnle! 🙂

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Der junge Arzt Nekao arbeitet, nachdem er als Student unversehens zwischen die Fronten der Amun-Priesterschaft und der Anhänger des regierenden Pharao Echnaton geraten war, endlich als Gehilfe seines Onkels in Theben. Dort verliebt er sich in Tamid, die Tochter eines Adligen, der alles versucht, die unstandesgemäße Verbindung zu verhindern. Nekao wird, auf sein Betreiben, als Armeearzt in den Osten geschickt, wo General Nachtmin verzweifelt versucht, die ägyptische Grenze gegen die Hethiter zu verteidigen. Nekao erlebt den Krieg und gewinnt allmählich Ansehen als Arzt. Er gelangt sogar bis an den Hof König Ribaddis von Byblos – hofft aber immer noch, nach Ägypten zu seiner Tamid zurückkehren zu können. Als er jedoch endlich als Leibarzt Echnatons zurückgerufen wird, ist seine Geliebte mit einem anderen Mann verheiratet, und er selbst gerät mitten hinein in die mörderischen Machtkämpfe am Hof, wo Amunpriester, Generäle und Atonisten auf jede Schwäche des kränkelnden Pharao lauern, der fest entschlossen ist, seine Religionsreform nun endgültig durchzusetzen – koste es, was es wolle…
Das Buch mag nicht mehr brandaktuell sein (die deutsche Ausgabe erschien 1979), aber dennoch ist es eine Empfehlung wert, zumal der Autor in Deutschland, leider, kaum bekannt ist. Spannend und flüssig geschrieben, mit enormer Sachkenntnis und vielen Details zum alten Ägypten, ganz gleich, ob es um Längen- und Gewichtmaße, medizinische Kenntnisse oder die Religion geht. Manchmal sind die Passagen, in denen die Figuren derartige Informationen in den Mund gelegt bekommen, allerdings etwas zu lang, um völlig natürlich zu erscheinen. Ausgesprochen positiv ist zu vermerken, dass Tacconi sich um einen objektiven Blick auf die Atonreligion und ihre Gegner bemüht und beide Parteien zu Wort kommen lässt – was ihm besonders gut gelingt, weil der Held Nekao keiner von beiden Gruppen wirklich angehört. Ob der Roman außerdem noch eine „zauberhafte Liebesgeschichte“ ist, wie der Klappentext behauptet, sei dahingestellt – die Geliebten sind sich größtenteils fern, in weiten Teilen geht es um Politik, Krieg und Intrigen. Das Ende wirkt ein wenig zu kurz und plötzlich, um das auszugleichen.
Fazit: wer einen „klassischen“ Altägypten-Liebesroman lesen möchte, sollte sich vielleicht an andere Bücher halten. Und vermutlich ist Tacconi weder an Spannung noch an Detailreichtum mit absoluten Spitzenautoren wie Christian Jacq zu vergleichen. Aber dennoch bietet er für Altägyptenfans wirklich hervorragendes Lesefutter – auch und gerade dann, wenn man, dank häufiger Lektüre, hinsichtlich der Hintergrundinformationen schon ein wenig anspruchsvoller geworden ist.

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Nagib Mahfouz: Thebes at War

Nagib Mahfouz (auch geschrieben „Mahfuz“) gilt als einer der bedeutendsten (lebenden) ägyptischen Schriftsteller und wurde 1988 mit dem Literaturnobelpreis auszeichnet. Nicht nur deshalb aber habe ich „Thebes at War“ (deutscher Titel „Theben“) auch unter „Literatur“ eingeordnet. Es ging mir vor allem darum, dass das Buch sich, aus heutiger Perspektive wenigstens, unmöglich einfach nur als historischer Ägyptenroman lesen lässt. Obwohl es spannend geschrieben ist, gibt es zahlreiche Aspekte, die einem unvorbereiteten Leser seltsam, vielleicht sogar unangenehm auffallen werden. Eine gewisse „literaturwissenschaftliche“ Neugier ist also angebracht, ehe man mit dem Lesen beginnt.

Denn der Zeithintergrund ist zum Verständnis des Romans ausgesprochen wichtig: „Thebes at War“ entstand 1941 anlässlich eines Preisausschreibens, als dritter Roman des Autors, der ursprünglich plante, die gesamte Geschichte Ägyptens in einer Romanreihe nachzuzeichnen. (Nach „Thebes at War“, das 1944 erschien, kam er allerdings von diesem Vorhaben ab und wandte sich zeitgenössischen Stoffen zu.) In den 1940ern nun befand sich Ägypten, obwohl seit 1922 offiziell unabhängig von England, praktisch immer noch in vielfältiger Abhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht (bis hin zur britischen Besetzung des Gebietes um den Suez-Kanal). Auf der anderen Seite begann man außerdem, im Zuge des seit dem 19. Jahrhundert allmählich wachsenden Nationalgefühls, die vorwiegend türkisch-sprachige Oberschicht Ägyptens als fremd zu empfinden, die noch aus Zeiten der Osmanenherrschaft stammte. Gegen welche von beiden Gruppen sich Mahfouz in seinem ausgesprochen patriotischen Roman wendet ist unklar. Sehr wahrscheinlich sind sogar beide gemeint. Unter dem Denkmantel des historischen Romans prangerte der Autor scharf den Absolutismus des Königshauses, die Kolonialmacht Britannien, die genannte türkisch-sprachige Oberschicht und vor allem die aus all diesem resultierenden sozialen Mißstände an. Und sicher stellt der Roman auch einen Versuch dar, durch die Rückbesinnung auf eine große historische Vergangenheit das Selbstbewußtsein der Ägypter in der Gegenwart zu stärken – das Buch ist ein leidenschaftlicher Aufruf an alle Ägypter, sich gegen jede Art der Fremdherrschaft und Ungerechtigkeit zusammenzuschließen. Nicht ohne Grund gewann „Thebes at War“ damals dann auch besagtes Preisausschreiben und wurde von Sayyid Qutb, der später die ägyptische Muslimbruderschaft führte und zu diesem Zeitpunkt ein führender Literaturkritiker war, gelobt als ein historisches Werk, das „junge Leute die wahre Liebe zu ihrem Land“ lehren könne.

Mahfouz nutzt die Vertreibung der Hyksos aus Ägypten durch Pharao Ahmose als Folie für seinen Roman. Ich sage bewußt: Folie, denn es ging dem Autor um Anderes als um die historisch exakten Abläufe oder ägyptologische Präzision – Ägyptenkenner werden mehr als eine Ungenauigkeit finden. Die Handlung ist denkbar einfach gehalten: Die Hyksos halten Ägypten besetzt und haben beschlossen, auch die letzten Ägypter unter Pharaoh Sequenenra zu vernichten. Dieser widersetzt sich natürlich heldenhaft, stirbt in der Schlacht gegen die Hyksos den Märtyertod (ausdrücklich so genannt), seine Familie zieht sich nach Nubien ins Exil zurück, wo man heimlich eine ägyptische Armee aufbaut, mit der dann Sequenras Enkel Ahmose nach Ägypten zurückkehrt und dieses, ohne Widerstand zu dulden, von den grausamen Fremden befreit. Am Ende fliehen die Hyksos geschlagen aus Ägypten.

Die Rollen sind dabei klar verteilt: die Ägypter – allesamt braunhäutig und dunkelhaarig (demzufolge schön), patriotisch und edel – wenden sich gegen die ausnahmslos weißhäutigen (und hässlichen), grausamen, verschlagenen und zu recht verhaßten Unterdrücker, die Hyksos. Die derart erfolgende, stereotype Trennung von „Gut“ und „Böse“ nach Völkern, die an zahlreichen Stellen aufscheint, kann man wohl durchaus als Form von „Rassismus“ bezeichnen. Auch der „Opfermut“, mit dem Ahmose im Namen des patriotischen Freiheitskampfes immer wieder, ohne jedes Zögern, tausende seiner Soldaten in den Tod schickt, wird den Leser zu wiederholtem Kopfschütteln veranlassen. Die Massaker im Kampf erscheinen als patriotische Heldentat. Selbst als ägyptische Frauen und Kinder von den Hyksos als lebendige Schutzschilde gegen Ahmoses Armee benutzt werden und dieser dennoch den Angriff seiner Soldaten befiehlt (den Tod der Geiseln als „Opfer für ihr Vaterland“ in Kauf nehmend), verliert er dabei nicht im Geringsten Nimbus als unanfechtbar edler Held. Dass sämtliche Ägypter bereitwillig und gerne für die Freiheit ihres Landes sterben (die als Schutzschild benutzten ägyptischen Frauen „nicken zustimmend“, als sie von den Pfeilen der eigenen Soldaten durchbohrt werden), beruhigt da wenig. Und die fast durchweg brutalen, stets goldgierigen Hyksos sind zwar im Rahmen Handlung hervorrangende Bösewichte, jedoch erscheint die drastische Schwarz-Weiß-Zeichnung einem an „gemischtere“ Romangestalten gewöhnten Leser auf Dauer leicht ein wenig zu eindimensional.

Etwas vielschichtiger sind nur sehr wenige Personen. Vor allem zu nennen ist hier die Hykso-Prinzessin Amenirdis, in die sich Ahmose leidenschaftlich verliebt. (Sie ist, möglicherweise aus praktischen Gründen angesichts einer Liebesaffäre, auch der einzig wirklich „schöne“ Hykso.) Natürlich darf diese Liebe nicht glücklich werden – Amenirdis geht mit ihrem Vater, dem geschlagenen Hykso-König Apophis, in die Wüste und Ahmose regiert an der Seite seiner ägyptischen Königin. Aber immerhin ist Amenirdis, obwohl stolz und aufbrausend und ihrerseits unbeirrbar für das eigene Volk einstehend, nicht durchweg negativ gezeichnet.

Insgesamt ist „Thebes at War“ also ein nicht ganz einfach zu lesendes Buch, das man ab und an aus der Hand legen sollte, um über den genannten historischen Kontext nachzudenken, in dem es steht. Interessant ist es dennoch. Zum einen, weil es sich durchaus spannend liest, wenn man sich von dem „moralischen Stolpern“ erholt hat, in das man sich hin und wieder gebracht fühlt. Zum andern ist es interessant, weil es sich natürlich – zumal für in der neueren ägyptischen Geschichte Bewanderte – hervorrangend auf den Zeithintergrund und die sozialkritischen Intentionen des Autors hin analysieren ließe. Außerdem aber, und dies ist vielleicht das Faszinierendste – zeigt sich im Roman etwas, das durchaus auch zu Ahmoses Zeiten schon so gewesen sein könnte, ohne deshalb heute an Aktualität eingebüßt zu haben: Es wird offenbar, wie unversöhnlich und explosiv die Feindschaft zwischen zwei Parteien werden kann, wenn sich Erfahrungen jahrzehntelanger Ungerechtigkeit und Unterdrückung und das berechtigte Streben nach Veränderung mit tief verwurzelten Vorurteilen, generationenlang gepflegten Vergeltungswünschen und religiösen Aspekten zu einem brennenden Patriotismus mischen. Dass man hier sozusagen durch die Augen einer der betroffenen Parteien blickt, ist beunruhigend, bewegend, verwirrend und zugleich aufschlußreich.

Anzumerken ist noch, dass es im Anchor-Verlag (N.Y.) eine sehr gute, englische Übersetzung von 2003 gibt, mit einem hervorragenden Vorwort des Übersetzers Humphrey Davies, in dem er ausführlicher auf den besagten Enstehungshintergrund eingeht. Und eine gute Kurzbiographie des Autors gibt es hier.

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Ein echter Sommertee

gruener_tee_erdbeer_lemon.gifWer es im Sommer gerne fruchtig-frisch mag, ohne deshalb unbedingt Früchtetee trinken zu wollen, für den hat „Teekanne“ jetzt etwas im Sortiment. Der Name – „Grüner Tee – Erdbeere-Lemonengras“ verrät bereits, was zu erwarten steht. Nun gut, manch Teepoet mag da die fehlende künstlerische Kreativität bemängeln (wären „Momente der Freude“, „Belebender Morgen“ oder „Frische Liebe“ denn  dem aktuellen Namenstrend im Tee-Regal nicht angemessener? 😉 ). Andererseits erspart dem neugierigen (und kurzsichtigen) Supermarkt-Bummler ein solch pragamtischer Inhaltsverweis allerhand umständliche Sucherei im Kleingedruckten. Aber selbst die hätte sich hier gelohnt. Dieser Tee wirkt (dank sei dem Koffein!) belebend wie andere Vertreter seiner Art, schmeckt dabei aber fruchtig frisch nach Erdbeeren – fast wie ein Früchtetee. Wobei die Grünteenote und der Hauch säurlich-herben Lemonengrases eine allzu aufdringliche Süße vermeiden (die bei Erdbeeraroma ja sonst leider recht häufig ist). Eine rundum gelungene Mischung, gleich, ob heiß oder kalt genossen.

Nur Vorsicht grins.png : es ist und bleibt ein grüner Tee, weshalb die Ziehzeit – anders als bei Früchtetees – besser deutlich unter 5 Minuten liegen sollte. Ich spreche aus Erfahrung peinlichgrins.png

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chimps_combo.jpgJane Goodall ist – für alle, die ihr noch nicht irgendwo in den Medien begegnet sind – eine Verhaltensforscherin, die vor allem für ihre Feldforschung bei Schimpansen im afrikanischen Gombe-Nationalpark bekannt wurde. In zahlreichen Büchern berichtet sie über ihre Beobachtungen. Die (meiner Ansicht nach) besten unter diesen sind „Wilde Schimpansen“ und der Nachfolger „Ein Herz für Schimpansen“ – auf Deutsch 1991 bzw. 1996 erschienen. Das Außergewöhnliche an Jane Goodalls Forschung, für das sie oftmals kritisiert und von anderer Seite sicher ebenso oft gelobt wurde, ist die Tatsache, dass sie die nüchterne Distanz zu den „Beobachtungsobjekten“ aufgab. War es zu Beginn ihrer Forschungen, 1960, noch üblich, die beobachteten Tiere zu nummerieren, so war Jane Goodall die erste Wissenschaftlerin, die ihnen statt dessen Namen gab. Es gelang ihr, das Vertrauen der Schimpansen zu gewinnen, und so konnte sie Anteil an deren Leben nehmen und sie auf den Wanderungen durch den Nationalpark begleiten. Viele der so gewonnenen Erkenntnisse waren damals für die traditionelle Wissenschaft ausgesprochen überraschend. Schimpansen können lieben und trauern und sogar regelrechte Kriege führen. Sie gebrauchen nicht nur Äste als Werkzeuge, sondern richten diese auch eigens dafür zu, sie sind zu Kannibalismus ebenso in der Lage, wie zu gegenseitiger Hilfe.

Wer immer gerne Tiere beobachtet hat, der wird an diesen Büchern mit Sicherheit Freude haben. Einfühlsam und zugleich wissenschaftlich präzise gibt die Autorin ihre Beobachtungen im Gombe-Reservat wieder. Der Stil ist anschaulich und flüssig, zudem macht reichliches Bildmaterial es leicht, den Beschreibungen zu folgen. Man lernt die einzelnen Schimpansen – Flo, Fifi, Flint, den alten David Greybeard und all die Anderen – nach und nach kennen und wird, ganz unmerklich, dazu verführt, sie als individuelle Persönlichkeiten zu sehen. Affe ist eben doch nicht gleich Affe… und am Ende stellt man sich die Frage: was ist es denn nun eigentlich, das den Menschen zum Menschen macht? Die Unterschiede sind vorhanden (dem widerspricht auch Jane Goodall nicht), aber sie scheinen doch etwas kleiner zu sein, als wir lange dachten…goodall_schimpanse.jpg

Und wer jetzt neugierig geworden ist, aber nicht gleich die Bücher kaufen mag: auf der Hompage des „Jane Goodall Institute“ gibt es Informationen und Fotos zum Stöbern…

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Hier etwas für jeden, der unbedingt wissen wollte (aber, aber – wer wird hier von „müssen“ sprechen?? 😉 ), an welcher Stelle in seinem Gesamtwerk Immanuel Kant nun was gesagt hat. Die Universität Bonn bietet in ihrem „Bonner Kant-Korpus“ nicht nur sämtliche Kant-Texte in digitalisierter Form an. Der Korpus hat auch eine eigene Suchfunktion, mit der man bestimmte Begriffe aus den Kant-Texten (allen oder ausgewählten) herausfiltern kann.

Das kann zu recht interessanten philosophischen Erkenntnissen führen. So erfährt man zum Beispiel unter dem Suchbegriff „Mord“, dass Kant aus philosophischen Gründen die Todesstrafe als einzig angemessene Bestrafung für diesen ansah:

„Hat er aber gemordet, so muß er sterben. Es giebt hier kein Surrogat zur Befriedigung der Gerechtigkeit. Es ist keine Gleichartigkeit zwischen einem noch so kummervollen Leben und dem Tode, also auch keine Gleichheit des Verbrechens und der Wiedervergeltung, als durch den am Thäter gerichtlich vollzogenen, doch von aller Mißhandlung, welche die Menschheit in der leidenden Person zum Scheusal machen könnte, befreieten Tod.“ (Kant: AA VI, Die Metaphysik der Sitten. … , Seite 333)

Um aber zu rechtfertigen, dass man bei Kindsmörderinnen vielleicht doch Gnade walten lassen könnte, fand er eine ausgesprochen feinsinnige Begründung:

„Das uneheliche auf die Welt gekommene Kind ist außer dem Gesetz (denn das heißt Ehe), mithin auch außer dem Schutz desselben geboren. Es ist in das gemeine Wesen gleichsam eingeschlichen (wie verbotene Waare), so daß dieses seine Existenz (weil es billig auf diese Art nicht hätte existiren sollen), mithin auch seine Vernichtung ignoriren kann (…).“ (Kant: AA VI, Die Metaphysik der Sitten. …, Seite 336)

Das ist nun wahrlich eine faszinierende Argumentation: da das uneheliche (wohlgemerkt: nur das uneheliche) Kind sich in die Gesellschaft „eingeschlichen“ hat wie eine Schmuggelware, steht es außerhalb des Gesetzes eben dieser Gesellschaft – weshalb auch seine „Vernichtung“ nicht so streng geahndet werden muss wie bei einem vollwertigen Gesellschaftsmitglied…

Durchaus spannend also, was sich so alles findet, beim Stöbern durch Kants Werke. Und dank der Suchfunktion ist dieses Stöbern ungleich einfacher und schneller, als mit dem 23-bändigen Kant-Gesamtwerk auf dem Schoß. Ein Hoch auf die Universität Bonn für dieses fantastische Projekt!

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