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Archive for 18. Mai 2006

Pauline Gedge: Der Sohn des Pharao

Dieser Roman ist thematisch nicht ganz leicht einzuordnen. Da er im alten Ägypten spielt, passt er zu meinen Ägyptenromanen, aber er enthält eine gehörige Portion – ja was? Mystik? Fantasy? Grusel? Eine Alternative wäre, für ihn eigens die Rubrik "Kuriositäten" zu schaffen.

Kurios ist er deshalb, weil dieses Buch das wirklich einzige in meinem Bücherschrank ist (und der ist nicht gerade klein!), bei dem ich partout nicht weiß, was ich davon halten soll.

Einerseits habe ich selten ein Buch gelesen, das derartig spannend war. Von der ersten bis zur letzten Zeile habe ich, buchstäblich, an den Seiten geklebt!ezpi_blueface.gif

Und andererseits habe ich – gleichzeitig – pausenlos mit dem Buch gehadert.

Wie das zusammenpaßt? Nun, es hängt mit der Hauptperson zusammen. Khamwaset, der Sohn des Pharao Ramses. Er ist zu Beginn des Buches bereits ein angesehener Priester, Amtsträger und Familienvater, der – neben den Aufgaben, die er als königlicher Prinz versieht – in seiner Freizeit auf der Suche nach alten Schriftrollen ist. Besonders eine hat es ihm angetan: die Schriftrolle des Gottes Toth, von der es heißt, sie verleihe ihrem Besitzer die Macht, die Toten aufzuwecken und Unsterblichkeit zu erlangen.

Ja, Tote aufwecken… wir ahnen, dass das nicht gutgehen kann. Dabei scheint das, was geschieht, kaum dass er die Schriftrolle gefunden hat, zunächst wenig mit Toten zu tun zu haben: wie aus dem Nichts taucht eine geheimnisvolle, wunderschöne Frau auf. Sie schlägt Khamwaset sofort in ihren Bann. So sehr, dass er die Fremde zu seiner Nebenfrau macht, ohne die geringste Rücksicht auf seine Familie oder die Wünsche des Pharao. Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf, für Khamwaset und die Seinen, denn die Fremde und ihren erwachsenen Sohn umgibt ein schreckliches Geheimnis…

Und nein, jetzt ich werde nicht noch mehr verraten, die Andeutung, zu was die Schriftrolle so alles in der Lage ist, sollte genügen 😉 .

Wie gesagt, das Buch ist schwer einzuordnen. Horrorroman im alten Ägypten? Das würde gerade zum Ende hin zutreffen. Fantasy? Auch, in gewissen Teilen – gerade bei einer eigenartigen Zeitschleife, die erst zum Schluss des Romans als solche erkennbar wird. Historischer Roman? Durchaus: Altägypten ist Altägypten (die Autorin hat auch "klassische" Ägyptenromane geschrieben, die alle sehr gut recherchiert waren) und viele der beteiligten Personen – Khamwaset eingeschlossen – haben tatsächlich einmal gelebt. Es ist eine ungewöhnliche Mischung.

Das Widersprüchlichste an diesem Buch ist aber der Held. Wie gesagt: der Roman ist irrsinnig spannend – so spannend, dass man es nicht schafft, ihn beiseite zu legen, obwohl man, ab einem gewissen Punkt, Khamwaset am liebsten selbst erwürgen würde – ohne auf das böse Ende zu warten, auf das er zusteuert. Er wird im Laufe der Handlung zusehens unsympathischer. Egoistisch, passiv, manipulierbar, naiv, herzlos… kein "Held" mit dem man sich auch nur im geringsten identifizieren könnte. Und trotzdem liest man bis zum Schluss weiter…und wird nicht einmal mit einem eindeutigen Happy-End belohnt, sondern mit einem echten Tragödienschluss … und der erwähnten Zeitschleife, die alles irgendwie offen lässt. Selbst mit dem Ende hadert man also.

Und wünscht sich gleichzeitig, das Buch wäre noch einmal so dick.

Ich kann daher keine eindeutige Leseempfehlung aussprechen. Wer einen "normalen" historischen Roman mit einem netten Haupthelden zum mitfiebern und dem typischen "sie-lebten-glücklich-und-zufrieden"-Ende sucht, sollte tunlichst die Finger davon lassen. Wer allerdings spannend unterhalten werden will (und ein klein wenig experimentierfreudig ist, hinsichtlich des Genres), der kann es durchaus versuchen – und sollte gleich ein paar Stunden am Stück für das Lesen einplanen. lesen.gif

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Weißer Tee

Und schon wieder Tee – dieses mal "weißer"… nein, ich habe ihn ausnahmsweise nicht in einem Anfall von Konsumwahn aus Neugierde gekauft 😉 , sondern zufällig in unserem Küchenschrank aufgestöbert. Was als Notlösung in Anbetracht von Schwarztee-Mangel begann, wurde zur einer richtig leckeren Neuentdeckung!

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Weißer Tee wird aus den "Blüten und zartesten, jüngsten Blättern der Teepflanze" gewonnen (so die Packungsaufschrift). Eigentlich schmeckt er wie ein sehr milder Schwarztee, mit dem Unterschied, dass er kaum Bitterstoffe enthält. Das macht ihn magenfreundlich (ich glaube, deshalb war er im Küchenschrank) – und außerdem ist er für all jene sehr angenehm, die Tee (wie ich) lieber ohne Milch trinken wollen. Ich denke, ich werde diese Fundpackung schnell leer bekommen…

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