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Archive for Mai 2006

Joanne Bertin: Die Drachenlord-Saga

Zur Abwechslung mal etwas "Badewannenlektüre" – darunter fallen, in meinen Regalen, jene abgewetzten Schmöker, die man mitnimmt, wenn man sich nach einem langen, arbeitsreichen Tag einfach in der Badewanne entspannen möchte. In diesem Fall schöne, solide Fantasy – mit Drachen! (Ja, wer mich kennt, weiß, dass ich eine Schwäche für diese lieben Tierchen habe… 😉 ).

Es handelt sich im englischen Original um zwei Romane ("The Last Dragonlord" und die Fortsetzung "Dragon and Phoenix"). In der deutschen Übersetzung hat man den zweiten Teil – vermutlich aufgrund seiner Dicke – auf zwei Bände aufgeteilt:

  1. "Der letzte Drachenlord"
  2. "Das Lied des Phoenix"
  3. "Drachenherz"

Im Mittelpunkt der Handlung steht Linden Rathan (mit dessen Namen ich anfangs ein wenig haderte – ich wohne leider in einem Dörfchen namens "Linden"). Er ist ein Werdrache, ein "Drachenlord". Das bedeutet, dass seine Seele eigentlich aus zwei Hälften besteht, von der die eine zu einem Menschen (Linden), die andere zu einem Echtdrachen (Rathan) gehört. Diese außergewöhnliche Fügung hat zur Folge, dass Linden nicht nur Magie beherrscht, sonder sich, bei Bedarf, auch in einen prachtvollen, echten Drachen verwandeln kann. Die Drachenlords leben auf einer eigenen Burg und sind seit Urzeiten, aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten, die Hüter der Ordnung unter den gewöhnlichen Menschen. Mit den Echtdrachen, die sich im allgemeinen höflich aus den Angelegenheiten der Menschen heraushalten, halten sie ab und an Rat – immerhin wird sich ein Drachenlord irgendwann, eines fernen Tages, selbst in einen Echtdrachen verwandeln, wenn seine Drachenseele erwacht…

Im ersten Buch lernen wir Linden, die kleine, freche Drachenlady Lled, Lindens menschlichen Freund, den verschmitzten Barden Otter, und viele andere kennen. Die Geschichte dreht sich um eine Verschwörung am Cassorischen Hof, wo Linden und seine Freunde über die umstrittene Thronfolge entscheiden sollen. Das erweist sich als unerwartet brisant, denn die Fäden zieht eine "Bruderschaft", die gar nicht gut auf die Drachenlords zu sprechen ist. Und ganz nebenbei muss Linden auch noch seine Seelengefährtin, die schöne Seefahrerin Maurynna, kennenlernen…

Die beiden Folgebände (die ja eigentlich ein Buch sind) wechseln den Schauplatz. Wieder begleiten wir Linden, allerdings gibt es nun einen parallelen Handlungsstrang am Hof des Phoenixherrschers – in einem chinesisch-asiatisch anmutenden Königreich namens Jehanglan, in dem, wie sich herausstellt, seit Jahrhunderten ein Echtdrache gefangen gehalten wird. Als die anderen Echtdrachen schließlich deshalb in den Krieg ziehen, machen sich auch die Drachenlords auf, um zu helfen… und verstricken sich dabei tief in die politischen Intrigen des exotischen Reiches. Und, als wäre das noch nicht genug, gibt es da noch die Frage, ob Linden tatsächlich der letzte Drachenlord ist, der je geboren wurde…

Wie gesagt, ich mag Drachen 😉 – deshalb war ich von der aparten Idee mit den Werdrachen besonders angetan. Aber auch wer kein fanatischer Drachenfan ist, wird hier auf seine Kosten kommen. Es gibt böse Zauberer und finstere Priester, schöne Frauen, spannende Intrigen, Geheimnisse (wie das um den magischen Vogel Phönix) und wilde Kämpfe… Vielleicht keine außergewöhnliche oder hochanspruchsvolle Mischung – aber, das kann ich versprechen, verdammt unterhaltsam 🙂 . Und das asiatische Reich im zweiten Teil ist eine sehr nette Abwechslung zu den "klassischen" Fantasy-Settings.

Ich glaube, ich gehe jetzt noch etwas lesen 😉 !

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Safranski-Schiller.jpgAuf Safranskis "Schiller" stieß ich eher zufällig, als es die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in ihrer "Schriftenreihe" als Band 467 für nur 5 Euro anbot. Leider ist es dort, wie ich sah, nicht mehr verfügbar (Derzeit? Vielleicht lohnt ja eine Nachfrage…) – aber auch 25 Euro im freien Handel sind, denke ich, ein vernünftiger Preis. Das Buch ist eine Biographie Schillers – und es ist noch mehr. Viel mehr. Interpretationen und Erklärungen zu seinen Werken – von Dramen bis zu theoretischen Schriften – sind, in chronlogischer Ordnung, wunderbar in den Text eingeflochten, die Wirkungsgeschichte der großen Bühnenstücke liest sich ebenso spannend, wie die persönliche Biographie des Autors. Dabei ermöglicht es der systematische Aufbau des Buches jedoch auch, gezielt nach einzelnen Werken oder Lebensstationen zu suchen. (Das gilt auch für diejenigen, die nicht genau wissen, wann in Schillers Leben was zu verorten ist – die Kapitelüberschriften sind detailliert genug!)

Was mir persönlich allerdings am meisten imponiert hat: Rüdiger Safranski versteht es, den philosophischen und weltanschaulichen Zeithintergrund verständlich und zugleich präzise zu erklären. Wer sich mit abstrakten Lexikonartikeln zu Fragen, wie "Was ist Idealismus?" oder "Was besagt Kants Erkenntnistheorie?", bisher schwer getan hat, sollte es mit diesem Buch versuchen. Die Erläuterungen sind anspruchsvoll genug, um auch Seminar-Ansprüchen zu genügen ( 😉 das Buch wurde sogar von einem meiner Professoren gelobt). Natürlich können die Erklärungen, im Rahmen einer einbändigen Biographie, nicht so erschöpfend sein wie in einem entsprechenden Fachbuch – das brauchen sie aber auch nicht. Was für das Verständnis Schillers wesentlich ist, das ist enthalten. Und zwar ausführlich genug, um ein detailliertes Gesamtbild entstehen zu lassen. Zugleich aber macht es einfach Vergnügen, in diesem Buch zu lesen. Und das ist eine wahrlich seltene Kombination.

Insgesamt ist Safranskis "Schiller" also ein heißer Tipp: für jene, die sich für Schiller interessieren, für arme Seelen, die ein Referat über ihn halten müssen – oder auch für alle, die eine anspruchsvolle, wirklich gut recherchierte Biographie lesen wollen. Einzige Einschränkung: ein bisschen mehr Aufmerksamkeit beim Lesen, als ein Ritterroman oder Ägyptenschmöker, erfordert es schon – also nicht gerade nachts um 12 in der Badewanne damit anfangen 😉 .

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Spicy Orange

spicy_orange.gifZur Abwechslung wieder einmal ein wenig Tee in der Teestube. Heute im Angebot: Spicy Orange – ein Kräutertee. Nein, nicht erschrecken 😉 ! Ich weiß, Kräutertees werden oft verdächtigt, nach "Heu" zu schmecken, oder schrecklich "gesund" zu sein. Dieser hier aber schmeckt nicht nach Kaninchenfrühstück, sondern äußerst angenehm nach Orange-Vanille. Und von "gesund" steht auch nichts auf der Packung – versprochen. Er ist einfach nur lecker.LeckerLecker.png

Deswegen denke ich, dass ich diesen Tee guten Gewissens auch all jenen empfehlen kann, die sonst einen wohlbedachten Sicherheitsabstand zu der Brennessel-Salbei-Fenchel-Ecke im Teeladen halten. Mein Tipp: es ist ein guter Tee für Spätabends, wenn man keine Lust auf süßen Früchtetee hat, aber (um nicht die halbe Nacht wachzuliegen) auch keinen Schwarztee mehr trinken möchte.

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Alexander.jpgDiese Biographie habe ich – ganz bewußt – unter der Kategorie "historische Romane" eingereiht. Denn genau als solchen kann man die Triologie lesen, so spannend und lebendig ist sie geschrieben. Dabei darf man sich, da der Autor anerkannter Professor für Altertumsforschung und Archäologie ist, zugleich auf eine gewisse historische Genauigkeit verlassen. Wer sich also für die griechische Antike und für Alexander den Großen interessiert, der sollte in diese drei Bücher vielleicht einmal hineinschnuppern:

  • "Alexander, Der makedonische Prinz": hier geht es um die Kindheit und Jugend des großen Weltherrschers und um seinen Aufstieg zum König der Makedonen. Diesem Abschnitt in Alexanders Leben werden in vielen anderen Biographien lediglich ein oder zwei Kapitelchen zugestanden. Manfredi hat ihnen den ganzen ersten Band seiner Triologie gewidmet.
  • "Alexander, König von Asien": Beginnt mit dem Zug des jungen Makedonenkönigs Alexander nach Persien, umfasst legendäre Schlachten wie die bei Issos (3-3-3 – Issos Keilerei… wir erinnern uns) und endet mit seinem glorreichen Einzug in Ägypten.
  • "Alexander, Der Herrscher der Welt": Alexanders Siegeszug durch Asien geht weiter, hier erleben wir, unter anderem, die Eroberung Babylons, die Vermählung mit Prinzessin Roxane und schließlich den Indienfeldzug. Am Schluss steht, natürlich, Alexanders sagenumwobener Tod – war es Mord? War es ein Fieber? Oder Trunksucht? Manfredi hat auch dazu eine Theorie…

Wie erwähnt, die Biographie liest sich, so detailliert sie ist, wie ein spannender Roman. Natürlich darf man nicht die gleiche Faktendichte wie in einem Sachbuch erwarten, und Manfredi hat bewußt den Begleitern und Gegnern Alexanders eigene Persönlichkeit verliehen und ihnen mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als dies eine "normale" Biographie vielleicht täte. Auch fließen einige Elemente aus den Sagen um Alexander ein – wie etwa die um sein berühmtes Pferd Bukephalos. Aber diese dichterische Freiheit verzeiht man leicht, bei so gutem Lesefutter. Wer danach an der absolut abgesicherten, historischen Wirklichkeit interessiert ist, kann ja immer noch in der entsprechenden Fachliteratur nachschlagen – hat aber, dank Manfredi, auf jeden Fall über die Personen, die Abfolge der Ereignisse und die großen Zusammenhänge schon einen guten Überblick bekommen.

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Das Dramenlexikon

Ein kleiner Ratschlag für all jene, die sich ein wenig für die Dramen des 18. Jahrhunderts interessieren. Relativ neu erschienen ist das "Dramenlexikon des 18. Jahrhunderts", herausgegeben von Heide Hollmer und Albert Meier, im Verlag C.H.Beck. Es gibt – alphabetisch nach Autorennamen sortiert – eine kurze Inhaltsangabe (nebst winzigem Interpretationsansatz – für die Schule sollten dann aber doch noch einige Reclamerläuterungen gelesen weren 😉 ). Auch (sehr kurz gehaltene) Tipps zu weiterführender Literatur werden gegeben. Und hinten ist, sehr erfreulich und nicht selbstverständlich, noch einmal ein übersichtliches Register zur schnellen Artikelsuche. Das Lexikon umfasst zwar nur die wichtigsten der in dem Zeitraum von 1700 bis 1800 erschienen Dramen, und es endet Punkt 1800, weshalb man die späten Schillerdramen dort vergeblich sucht. Aber als erster Überblick oder einfach nur zum Blättern und Schmökern ist es dafür ausgesprochen handlich.

Übrigens: eine sehr ausführliche, etwas wissenschaftlichere Rezension des Lexikons findet ihr hier

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Und noch ein Online-Übersetzer, dieser hier heißt "Pollyglotto". Man gebe ein Wort oder einen Satz ein, und wähle, von welcher Sprache in welche übersetzt werden soll. Zur Auswahl stehen u.a. Englisch, Deutsch, Französisch, Holländisch, Japanisch, Portugiesisch, Koreanisch und Chinesisch. Angenehm ist, dass der Übersetzer (mit kurzer Verzögerung) das übersetzte Wort bzw. den übersetzten Satz sogar vorspricht. Also nicht nur als Wörterbuch tauglich, sondern auch, wenn man (wie ich, des öfteren Skeptisch.png ) Sorge hat, sich bei der Aussprache eines unbekannten Wortes zu blamieren. Danke an Michael, für diesen Tipp!Daumenhoch.gif

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Alte Bücher digitalisiert

Durch einen Artikel auf Spiegel-Online bin ich darauf aufmerksam geworden (nein, das soll keine Schleichwerbung sein ;), nur eine „Quellenangabe“): die Göttinger Forschungsbibliothek ist gerade dabei, ihre Bestände alter (d.h. vor 1900 erschiener) Bücher einzuscannen und digitial verfügbar zu machen.
Unmittelbarer Nutzen: Interessierte können im Netz – gratis und ohne Registrierung! – die bereits verfügbaren Werke durchblättern. Im Gegensatz zu dem berühmten „Projekt Gutenberg“ liegen nicht nur die Texte vor, sondern wirklich die Originalseiten der Bücher, komplett mit Bildern und allem was dazugehört. Eine wunderbare Sache!
Wer mag (und Geld hat) kann für 25 Cent pro Seite sogar eine Buchpatenschaft für ein Buch seiner Wahl übernehmen – dann wird der eigene Name in der Digitalfassung des Buches im „Vorspann“ dankend erwähnt! Und da die Göttinger eine sehr, sehr große Bibliothek haben und nur rund 6000 Seiten am Tag schaffen, kann man sich vermutlich ein bisschen Zeit lassen, mit der Entscheidung 😉 – falls man (wie ich) zwar Buchpate werden möchte, aber leider gerade absolut blank ist.
Die Homepage des Projektes ist hier zu finden: http://gdz.sub.uni-goettingen.de/en/index.html

Viel Vergnügen beim Blättern!

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