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Die Literarische Teestube ist umgezogen und ist nun – nach längerer Renovierungsphase – unter http://teestube.sturmwolf.de zu finden. 

(An dieser Stelle einen ganz, ganz lieben Dank an meinen Freund Michael, der nicht nur den Umzug organisiert hat, sondern auch die neuen „Räumlichkeiten“ zur Verfügung gestellt hat 🙂 .)

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Wir alle haben uns in Schulzeiten bereits mit dem Englischen geplagt. Manche mehr, andere weniger – einige von uns haben es später studiert, manch einen zog es gar ins (englischsprachige) Ausland und wieder andere haben es, wie meine Wenigkeit, zwar mit den Jahren lesen und schätzen, nie aber so recht sprechen gelernt.

Wie aber sehen eigentlich jene, denen das Glück zu Teil wurde, das Englische in die Wiege gelegt zu bekommen, unsere Sprache? Wen das interessiert, der sollte vielleicht einmal Mark Twains Essay „The Awful German Language“ lesen.

Dieser ist eigentlich ein Anhang zu seinem 1880 erschienenen Buch „A Tramp Abroad“. Hier lernt der neugierige, deutsche Muttersprachler, der sich über die seltsamen Grammatikbeispiele der Englischlehrbücher wunderte, das auch jene der Deutschlehrbücher offenbar nur wenig einleuchtender sind. Ihm wird ein ganz neuer Blick auf den verflixten Genitiv gewährt (der Dativ war eben schon damals, im 19. Jahrhundert, oft dem Genitiv sein Tod – oder hätte es jedenfalls ruhig sein können, wäre es nach manch verzweifeltem Deutschschüler gegangen). Dann die vertrackten Geschlechtszuweisungen. Der Baum, aber die Blätter. Der Fisch ist männlich, seine verdammten Schuppen aber weiblich. Der Frau wird weibliches Geschlecht zugebilligt, als Eheweib ist sie aber Neutrum? (Wir reden, wohlgemerkt, vom Deutsch des 19. Jahrhunderts). Und zu guter letzt die bodenlose Frechheit, die Teile eines einzelnen Verbes durch ganze Nebensatzkonstruktionen voneinander zu trennen (man denke an „ab-reisen“). Wer soll da das Deutsche überhaupt jemals erlernen können?
Mit dieser Frage, und anderen, erheiternden und zum Nachdenken anregenden, schlägt sich Mark Twain herum, und kommt letztendlich zu der Schlussfolgerung: „My philological studies have satisfied me that a gifted person ought to learn English (barring spelling and pronouncing) in thirty hours, French in thirty days, and German in thirty years.“.

Nun ja, über Englisch in dreißig Stunden mag man diskutieren – aber offenbar sollten wir vielleicht doch etwas mehr Verständnis für jene aufbringen, die eben nicht mit unserer wunderbaren, schweren und so herrlich komplizierten Sprache zur Welt kamen. Und vielleicht ein klein wenig dankbar sein, dass wir in der Schule Englisch und nicht Deutsch als Fremdsprache lernen mussten.

Den Aufsatz gibt es übrigens hier nachzulesen oder, wem das lieber ist, als Hörbuch auf LibriVox herunterzuladen. Beides, natürlich, kostenlos 😉 – für arme mittellose Leseratten.

Leonie Swann: Glennkill

Schafe – das sind jene nicht sonderlich interessanten, wolligen Vierbeiner, die man (leider heutzutage immer seltener) auf der Wiese stehen sieht. Sie liefern Wollpullover, flauschige Weihnachtsmarkt-Schafpelze und können, wenn sie Pech haben, bereits in jungen Jahren als Lammkotlett auf unserem Grill enden. Man kann sie vor dem Einschlafen zählen (meine stolpern immer über den Zaun, den sie überspringen sollten) und findet sie immer wieder auf den friedlichen, freundlich-bunten Bildern in Kinderbüchern. Schafe sind nützlich, friedlich und … ein wenig langweilig.

Welch ein Irrtum! Spätestens seit Leonie Swanns „Glennkill“ (erschienen 2005 im Goldmann-Verlag) wissen wir: Schafe sind alles andere als langweilig – und auch längst nicht so friedlich, wie wir Menschen gerne glauben würden.

Dabei hätte die Herde des Schäfers George eigentlich selbst niemals gedacht, dass sie mehr tun würden, als fleißig und ernsthaft ihrer wichtigsten Arbeit – dem Grasen – nachzugehen. Doch dann finden sie eines Morgens George tot auf der Weide – in seiner Brust steckt ein Spaten. Und die Schafe, allen voran Miss Maple, das vielleicht klügste Schaf der Welt, beschließen, für ihren Schäfer um Gerechtigkeit zu kämpfen und den Mörder zu finden . Wie das genau vonstatten gehen soll, das ist ihnen nicht klar, denn bei dem einzigen Krimi, den George ihnen je vorgelesen hatte, war er nie bis zum Schluss vorgedrungen. Genaugenommen wissen sie nicht einmal so genau, was diese „Gerechtigkeit“überhaupt sein soll. Aber sie können es unmöglich auf sich beruhen lassen, wenn jemand ihren Schäfer tötet!

Und so machen sie sich daran, das Geheimnis zu lüften: Miss Maple, Mopple the Whale, das mollige Gedächtnisschaf der Truppe, die wollige Cloud, der alte, schon ziemlich schwerhörige Leitwidder Sir Richfield, mit seinen immer noch hervorragenden Augen, der tiefschwarze, vierhörnige Othello, der selbst eine geheimnisvolle Vergangenheit hat … die ganze Herde beginnt zu ermitteln. Wer könnte Interesse daran gehabt haben, den armen George umzubringen? Ham, der Metzger? War es eine Eifersuchtsszene oder gar ein Duell wie in den Liebesromanheftchen, die George ihnen so oft vorgelesen hatte? Und was hat dieser „Gott“ damit zu tun, der offenbar in dem großen, spitzen Haus im Dorf wohnt und der immer von der Seele redet? Haben Menschen tatsächlich auch eine Seele? Eine ganz kleine? Hat jemand versucht, George seine Seele zu stehlen? Was ist im verschlossenen Schäferwagen verborgen, das so viele Menschen so dringend haben wollen? Was führt diese seltsame Schäfer Gabriel im Schilde? Und was ist mit Melmoth, Sir Richfields verschollenem Zwillingsbruder? Miss Maple und ihre Freunde sind fest entschlossen, all das herauszufinden – und sehr bald müssen die Bewohner von Glenkill erkennen, dass Georges Schafe weit mehr können, als harmlos auf einer Weide zu stehen …

„Glennkill“ ist unbeschreiblich: Bezaubernd, anrührend, hinreißend witzig und dabei doch gleichzeitig spannend. Leonie Swann gelingt es, den gesamten Roman aus der Perspektive der Schafe zu schildern, die ihren ganz eigenen Blick auf uns Menschen haben. Und die uns doch manchmal erstaunlich klar sehen. Die Schafe selbst sind wunderbare Charaktere – und niemand sollte glauben, ein Schaf könnte nicht heldenmutig, kämpferisch, fürsorglich, stolz, gewitzt oder gar geheimnisvoll sein. Die Schafe von Glennkill sind all das und noch viel mehr. Und am Ende des Romans, der nicht nur ein Krimi, sondern vor allem eine von Herzen kommende Liebeserklärung an seine Hauptdarsteller ist, wünscht man sich für einen Augenblick beinahe selbst, ein Schaf zu sein …

Es ist ein Buch für Krimifans genauso wie für solche, die gerne von Herzen lachen, ein Buch, das seinen Leser bezaubert und 380 Seiten lang nicht mehr loslässt. Ein Buch, nicht nur für Schaffreunde und Tierliebhaber, sondern auch für jeden, der uns Menschen einmal aus einem völlig neuen Blickwinkel sehen möchte.

Wer kennt das nicht: Man hat ein Buch bestellt – z.B. bei Amazon – und wartet sehnsüchtig auf die E-Mail, die endlich, endlich den Versand bestätigt. Man hat verschiedene Alternativen: Das Mailprogramm alle fünf Minuten aufrufen, um nachzusehen, es die ganze Zeit im Hintergrund laufen lassen (was Rechner etwas älteren Semesters erfahrungsgemäß manchmal ein wenig überstrapaziert 😉 ) … oder man benutzt Chat-Programme wie Trillian oder Miranda, die nebenher auch noch – einige – Mailaccounts checken können. Einige eben nur, denn irgendeine Art von Mailaccount (oftmals POP3) befindet sich fast immer auf der Ausnahmeliste.

Man kann allerdings auch POP Peeper verwenden. Ein kleines, nettes Freeware-Programm, das sich friedlich und unauffällig im Hintergrund bleibt und in beliebig einstellbaren Zeitabständen nachsieht, ob es E-Mail-Neuzugänge gibt. Abgedeckt sind: POP3, IMAP (mit dem man z.B: AOL, AIM; Netscape, FastMail u.a. abrufen kann), SMTP; GMail, Hotmail\MSN\LiveMail, Yahoo, Mail.com, MyWay, Excite, Lycos.com,RediffMail, Juno und NetZero. Donnerwetter 😉 ! Man kann so viele Accounts einstellen, wie man möchte und ihnen sogar unterschiedliche Benachrichtigungs-Töne, -Zeiten und -Arten zuweisen. Man kann sich an die E-Mails erinnern lassen, sie direkt im POP-Peeper in Vorschau, als Header oder vollständig anzeigen lassen, auf Mausklick das Haupt-Mailprogramm öffnen oder sogar über den POP-Peeper schlichte Textnachrichten schnell als Antwort zurückschicken, ohne erst den Umweg über Thunderbird, Outlook und Co. zu gehen. Und, für Leute, die hin und wieder wichtige Nachrichten verschicken oder bekommen, die sie nicht verlieren möchten: POP-Peeper kann in einem frei wählbaren Verzeichnis Kopien aller nicht gelöschten Mails ablegen – für den Fall, dass das eigentliche E-Mail Programm unversehens den Geist aufgibt und die gesammelten Werke mit sich in den Abgrund des Vergessens reißt. (Wie gut diese Speicherfunktion tatsächlich funktioniert, das wird sich bei mir allerdings erst im Verlaufe eines ausführlicheren Praxistests erweisen – also am Besten erst einmal selbst ein Weilchen ausprobieren, ehe man sich blind darauf verlässt 😉  !)

Das schönste aber ist: POP-Peeper ist denkbar bedienungsfreundlich. Er importiert sämtliche Accounteinstellungen bei der Installation aus bereits vorhandenen Mail-Programmen, erinnert den Nutzer daran, doch bitte die Passwörter einzugeben und hat eine angenehm übersichtliche Oberfläche. Gut, diese hat den unverwechselbaren Charme von Windows 3.1 und verträgt sich, leider, nicht mit lustigen „Und-die-Welt-wird-bunt“-Programmen zur Windowsverschönerung (wie etwa Windowblinds). Aber wer sich an dem spartanischen Äußeren nicht stört, der hat hier ein nützliches, stabiles Programm, das völlig kostenlos, aber beileibe nicht umsonst ist. Und, so am Rande: POP-Peeper versteht sich mit dem verufenen, aber ja doch ab und an genutzten, Windows Vista, bisher ganz vorzüglich 😉 .

Ach ja, am Schluss kleiner Tipp für G-Mail Nutzer: Den G-Mail Account sollte man über POP3 umleiten lassen (siehe FAQ-Seite der POP-Peeper-Homepage) und das SSL-Plugin herunterladen, dann gibt es keine Probleme.

Und jetzt: Viel Spaß beim auf Bücher warten 🙂 !

Dick Francis: Knochenbruch

Dick Francis „Knochenbruch“, erschienen 1996 im Diogenes-Verlag, ist im eigentlichen Sinne kein Krimi, denn es wird niemand ermordet- abgesehen von einigen Pferden – und auch der Täter steht von Anfang an fest. Dennoch ordne ich diesen Roman der Einfachheit halber in dieser Kategorie ein, da sich Dick Francis hier in jeder anderen Hinsicht vollkommen treu bleibt.

Wieder geht es – wie bereits angedeutet – um Pferde und wieder bleibt es hochspannend bis zur letzten Zeile.

Neil Griffon, ein erfolgreicher junger Geschäftsmann, kümmert sich Aushilfsweise um die Rennställe seines Vaters, der mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus liegt. Eigentlich ist er fest entschlossen, so rasch wie irgend möglich einen erfahrenen Trainer als Aushilfe anzuheuern und wieder zu seinem eigenen Beruf zurückzukehren. Denn er hat weder Zeit, noch steht er seinem Vater besonders nahe – dem er mit sechzehn davonlief.

Doch dann schlägt unversehens das Schicksal (bzw. ein gnadenloser Autor) zu: Neil wird eines Nachts entführt und sieht sich unvermutet einem eisernen Feind gegenüber: Enzo Rivera, machtgewohnt und mit einem keineswegs legal erworbenen Reichtum gesegnet, verlangt die Aufnahme seines Sohnes Alessandro Rivera als Jockey in den Rennstall. Und verleiht diesem Wunsch mit überaus schlagkräftigen Argumenten Nachdruck. Als er zudem droht, Neils Vater zu ruinieren, sollte der unerfahrene, gerade einmal achtzehnjährige Alessandro nicht den Champion Archangel im nächsten Derby reiten können, wird Neil klar, dass er – gegen den Willen des eigenen Vaters – als dessen Stellvertreter wird bleiben müssen, um das Schlimmste zu verhindern. Zunächst geht er scheinbar auf die Erpressung ein – doch bald schon müssen Enzo und sein Sohn feststellen, dass Neil Griffon alles andere als ein wehrloses Opfer ist. Ein zäher Kampf beginnt, in dem nicht nur Neil Griffon über sich hinaus wächst …

Ein wunderbares, dieses mal allerdings nur 250 Seiten langes Buch, in dem es alles gibt, was das Leserherz begehrt: Herrlich hassenswerte Bösewichte, gute Bösewichte, böse Handlanger, gute Handlanger – pardon, Nebenhelden – einen Vater-Sohn Konflikt, eine zauberhaft alltägliche Liebe und, natürlich, einen ganz gewöhnlichen Helden der, aus seinem friedlichen Leben als Antiquitätenhändler und Insolvenzberater gerissen, auf einmal mit widerspenstigen Pferden und ebenso widerspenstigen Menschen fertig werden muss.

Kein Buch zum Miträtseln, aber sehr wohl eines zum atemlosen Mitfiebern, mit einigen überraschenden Wendungen, einem guten Schuss Gewalt und einer Prise trockenen Humors. Wer Dick Francis‘ klassischere Krimis schätzt, der wird auch hier nicht enttäuscht werden.

Dick Francis: Mammon

Der dritte Dick Francis Roman in drei Tagen war „Mammon“ (2000 im Diogenes-Verlag erschienen). Ein Buch, das für Familienpsychologen eine wahre Fundgrube darstellen dürfte.

Denn um eine Familie geht es – eine große. Malcolm Pembroke, seines Zeichens Multimillionär, hat im Laufe seines Lebens fünfmal geheiratet und ist mehr oder minder stolzer Vater von immerhin neun, inzwischen erwachsenen, Kindern.

Ian, der einzige Sohn aus Malcolms zweiter Ehe, hat mit seinen Geschwistern nur wenig Kontakt. Auch mit seinem Vater hat der knapp dreißigjährige Pferdetrainer seit Jahren  nicht geredet – seit der letzten Heirat des Vaters mit der viel jüngeren Moira. Doch dann wird Moira von einem Unbekannten ermordet und kurz darauf meldet sich überraschend der Vater bei Ian: Jemand hat versucht, ihn, Malcolm Pembroke, umzubringen. War es derselbe, der zuvor Moira erstickte? Die Polizei, immer noch überzeugt, dass Malcolm Pembroke mit dem Tod seiner letzten Frau zu tun hat, ermittelt nur zögernd, und so erklärt sich Ian bereit, seinem Vater zu helfen. Gemeinsam ergreifen sie Sicherheitsmaßnahmen um Malcolms Leben zu schützen und Ian versucht verzweifelt, den Täter zu finden. Doch schnell wird klar, dass nur jemand aus der eigenen Familie die Gelegenheit hatte – in dieser Familie  finden sich mehr Motive, als es allen Beteiligten lieb sein kann. War es eine der drei Exfrauen, die sich untereinander befehden? Der tyrannische und trunksüchtige Gervas? Thomas herrschsüchtige Frau Berenice? In Geldnot sind einige von ihnen und allen gemeinsam ist die Überzeugung, dass Malcolm ihnen von seinem Reichtum weniger abgibt, als ihnen eigentlich zu stünde.  War bei einem von ihnen die Gier nach dem schnöden Mammon groß genug, um zu morden?

Die Suche nach dem Mörder ist hier vor allem auch eine psychologische: Dick Francis entwirft eine durch vielfältige und ambivalente Emotionen einander fest verbundene Familie, die nur schwer mit- aber auch nicht ganz ohneeinander leben kann. Die einzelnen Mitglieder mit ihren Geschichten und Gefühlen sind glaubwürdige Einzelpersonen, mit jeweils ureigenen Beweggründen. Held Ian kämpft sich durch diesen Dschungel vielfältiger Beziehungen und lernt viel – nicht nur über seinen Vater und seine Geschwister, sondern auch über sich selbst. Es gibt actionreiche Szenen, ja, (und natürlich wieder Pferderennen), doch auch ohne sie ist der Roman spannungsgeladen. Und obwohl der Leser wieder zum Miträtseln  herausgefordert wird, bleibt die Auflösung eine echte Überraschung …

Dick Francis: Favorit

Es spricht vermutlich für sich, wenn man innerhalb von drei (zugegebenermaßen freien) Tagen drei Bücher desselben Autors ausliest. Dick Francis Kriminalroman „Favorit“ (1997 im Diogenes-Verlag erschienen) war die Nummer zwei.

Es handelt sich dabei um einen „Sid-Halley-Roman“. Sid Halley, einer der wenigen Helden, die Dick Francis in mehreren Romanen wiederkehren lässt, war Jockey, ehe er bei einem schweren Reitunfall seine linke Hand verlor und umschulen musste. Nun arbeitet er erfolgreich als Privatdetektiv und hat sich – beinahe – mit dem Umstand abgefunden, dass er eine Prothese tragen muss und nie wieder Rennen wird reiten können. Der Auftrag, einen Tierquäler zu finden, der seit einiger Zeit Ponys und Jährlingen auf der nächtlichen Weide die Vorderhufe abtrennt, scheint für ihn zunächst ein Routinefall zu sein. Doch sehr schnell muss Sid erkennen, dass er in ein Wespennest gestochen hat. Denn als Hauptverdächtiger erweist sich ausgerechnet Ellis Quint. Und der ist nicht nur ein langjähriger Freund Sids, sondern auch ein berühmter Talkmaster.

Ist der strahlende, charmante Ellis wirklich fähig, solche Grausamkeiten zu begehen? Wer steckt hinter den vehementen Angriffen der Medien, denen sich Sid auf einmal ausgesetzt sieht? Sid Halley muss bald feststellen, dass es äußerst gefährlich ist, sich mit einem populären Medienstar anzulegen – vor allem dann, wenn handfeste wirtschaftliche Interessen im Spiel sind. Für ihn beginnt ein Wettlauf mit der Zeit: Kann  er die Beweise finden, um seinen alten Freund Ellis zu überführen, ehe seine Gegner ihn zum schweigen bringen?

Es ist ein rasanter Roman – die Handlung weit schneller (und stellenweise auch brutaler), als in „Rivalen“. Hier gibt es kein Abflachen des Spannungsbogens, es bleibt eine atemlose Jagd von der ersten bis zur letzten Seite. Es mag dahingestellt sein, wie realistisch es ist, einem Pferd mit einer Astschere den Vorderhuf abzutrennen, ohne dass man zuvor (oder dabei) von den übrigen drei Hufen erschlagen wird. Da Dick Francis Romane jedoch sonst bemerkenswert genau recherchiert sind (auch dort, wo es nicht um Pferde geht) und man einem ehemaligen Jockey wohl einiges an Pferdekenntnis zutrauen darf, kann man über solch kleinere Zweifel wohl hinweggehen. Denn nicht nur die Ereignisse fesseln – auch die Figuren ziehen in ihren Bann. In diesem Roman ist die Hauptfigur – Sid – recht dominant gegenüber den Nebenfiguren, doch auch wenn seine Geschichte  streckenweise auf höchst (melo-)dramatische Weise in den Vordergrund rückt, sind seine Freunde und Feinde mit feinen Strichen als Individuen gezeichnet. Ohne mit Stereotypen zu arbeiten, fängt Dick Francis auch hier geschickt Typen ein, die – gerade weil sie so sind, wie sie sind – die Geschehnisse erst möglich machen.

Insgesamt ein rundum gelungener Roman, auch wenn jene, die es vorziehen, wenn ein Krimi vor den wirklich blutigen Szenen takvoll wegblendet, ihn vielleicht mit Vorsicht genießen sollten.