Dick Francis „Knochenbruch“, erschienen 1996 im Diogenes-Verlag, ist im eigentlichen Sinne kein Krimi, denn es wird niemand ermordet- abgesehen von einigen Pferden – und auch der Täter steht von Anfang an fest. Dennoch ordne ich diesen Roman der Einfachheit halber in dieser Kategorie ein, da sich Dick Francis hier in jeder anderen Hinsicht vollkommen treu bleibt.
Wieder geht es – wie bereits angedeutet – um Pferde und wieder bleibt es hochspannend bis zur letzten Zeile.
Neil Griffon, ein erfolgreicher junger Geschäftsmann, kümmert sich Aushilfsweise um die Rennställe seines Vaters, der mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus liegt. Eigentlich ist er fest entschlossen, so rasch wie irgend möglich einen erfahrenen Trainer als Aushilfe anzuheuern und wieder zu seinem eigenen Beruf zurückzukehren. Denn er hat weder Zeit, noch steht er seinem Vater besonders nahe – dem er mit sechzehn davonlief.
Doch dann schlägt unversehens das Schicksal (bzw. ein gnadenloser Autor) zu: Neil wird eines Nachts entführt und sieht sich unvermutet einem eisernen Feind gegenüber: Enzo Rivera, machtgewohnt und mit einem keineswegs legal erworbenen Reichtum gesegnet, verlangt die Aufnahme seines Sohnes Alessandro Rivera als Jockey in den Rennstall. Und verleiht diesem Wunsch mit überaus schlagkräftigen Argumenten Nachdruck. Als er zudem droht, Neils Vater zu ruinieren, sollte der unerfahrene, gerade einmal achtzehnjährige Alessandro nicht den Champion Archangel im nächsten Derby reiten können, wird Neil klar, dass er – gegen den Willen des eigenen Vaters – als dessen Stellvertreter wird bleiben müssen, um das Schlimmste zu verhindern. Zunächst geht er scheinbar auf die Erpressung ein – doch bald schon müssen Enzo und sein Sohn feststellen, dass Neil Griffon alles andere als ein wehrloses Opfer ist. Ein zäher Kampf beginnt, in dem nicht nur Neil Griffon über sich hinaus wächst …
Ein wunderbares, dieses mal allerdings nur 250 Seiten langes Buch, in dem es alles gibt, was das Leserherz begehrt: Herrlich hassenswerte Bösewichte, gute Bösewichte, böse Handlanger, gute Handlanger – pardon, Nebenhelden – einen Vater-Sohn Konflikt, eine zauberhaft alltägliche Liebe und, natürlich, einen ganz gewöhnlichen Helden der, aus seinem friedlichen Leben als Antiquitätenhändler und Insolvenzberater gerissen, auf einmal mit widerspenstigen Pferden und ebenso widerspenstigen Menschen fertig werden muss.
Kein Buch zum Miträtseln, aber sehr wohl eines zum atemlosen Mitfiebern, mit einigen überraschenden Wendungen, einem guten Schuss Gewalt und einer Prise trockenen Humors. Wer Dick Francis’ klassischere Krimis schätzt, der wird auch hier nicht enttäuscht werden.